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PINwand Nr 330

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Weinmailing im Oktober 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

DEUTSCHLAND PFALZ

DEUTSCHLAND PFALZ Friedrich Becker PINOT NOIR SANKT PAUL, 2017 Fritz Beckers „Sankt Paul“: vom Monopol zum Monument DPF010417 Pinot Noir Sankt Paul Großes Gewächs, 2017 13,5% Vol. 77,33 €/l 58,00 € DPF010417M Pinot Noir Sankt Paul Großes Gewächs, 2017 MAGNUM 13,5% Vol. 100,00 €/l 150,00 € 96 Punkte SUCKLING 95 Punkte PARKER Die wunderbare Monopollage „Sankt Paul“ – benannt nach einer ganz in der Nähe vermutlich im 11. jahrhundert erbauten und im Bauernkrieg größtenteils zerstörten Trutzburg – befindet sich komplett auf französischem Staatsgebiet. Sie liegt direkt unterhalb des legendären „Heydenreichs“. Dieser steile Südhang auf Kalkgestein ist besonders gut durch Winde vom direkt darüber liegenden Wald geschützt, der gleichzeitig für kühle und ausgewogene Nächte sorgt. Die Reben müssen sich hier regelrecht durch den harten Kalk bohren, der schon nach wenigen Zentimetern Erdauflage auftritt. Das fordert die Pinot-Noir-Rebe und spornt sie zu Höchstleistungen an, um an Wasser und Nährstoffe zu kommen, Höchstleistungen, die der Sankt Paul in Gehalt, Tiefe und Struktur übersetzt. Mit ihm ist Fritz Becker ein Wein gelungen, der sich mit den großen und größten Gewächsen des „ewigen“ Vorbilds Burgund messen kann. Und bei dem auch Bordeaux-Fans voll auf ihre Kosten kommen. Im „Sankt Paul“ verbinden sich zeitlose Eleganz, ein gewisser Sex-Appeal (andere nennen es Nahbarkeit) und geschliffene Tannine. „Friedrich Becker gehört seit seinem legendären 1989er zu den bedeutenden Rotweinmachern Deutschlands, und kaum jemand sonst kann seitdem eine so lückenlose Reihe „DER BESTE JAHRGANG, DEN ES JE VON DIESEM WEIN GAB.“ JAMES SUCKLING großer Spätburgunder aufstellen. Der »Sankt Paul« gehört zu den besten Rotweinen Deutschlands!“ jubelt etwa der Gault&Millau! Der „Frosttrotzer“-Jahrgang 2017 ist den Beckers so souverän wie fantastisch gelungen: Frucht, Frische, nicht ganz das fast schon „überintellektuelle“ Raffinement des Vorjahrs, dafür umso mehr Frucht, Frische und offensichtliche Eleganz – gerade beim Sankt Paul! Die entrappten Trauben für dieses GG wurden nach einer fast dreiwöchigen Maischegärung in offenen Eichenholzbottichen und Bütten schonend gepresst, danach für 18 Monate in kleinen Holzfässern aus französischer Eiche ausgebaut und schließlich unfiltriert und ungeschönt abgefüllt. Wie schon so oft eröffnet der Sankt Paul mit einer Charme-Offensive, die allerdings von flankierenden Maßnahmen – Tiefe, Energie und eine anfänglich fast puristischen Dichte – begeleitet wird. Im Duft zunächst würzige Noten (Zimt, Zedernholz, ein Hauch hellen Virginiatabaks), später helle Kirschen bis hin zu eingelegter Amarena, dann, immer dunkler werdend (Maulbeeren, Brombeeren), sekundenbruchteilelang Erdbeerbowle. Anders als der breitschultrigere, kräftig-würzige „KB“, verströmt der „Sankt Paul“ mehr balsamische Noten und geringfügig hellere Frucht. Am Gaumen gleichen sich beide Weine wieder etwas mehr an, wobei auch hier die vorhandenen Tannine zupackend seidig-griffig wirken. Die Frucht ist nach wie vor präsent, „klart“ nun auf, weicht helleren Existenzen: weiße und rote Johannisbeeren, Sauerkirschen, kurz blitzt etwas Blutorangenzeste auf, in Kombination mit schlanken Beerenfrucht (jetzt auch etwas Schlehe) ergibt das ein geradezu mundwässerndes Zartbitter, eine schöne Herbheit (oder herbe Schönheit?). Dann eine leicht salzig-kreidig-kalkig wirkenden Mineralität – dieser Pinot Noir schöpft auf auf eleganteste Weise aus dem Vollen. Stuart Pigott kommentiert das, nicht von ungefähr, so: „The best vintage ever of this wine“!, was wir gerne bestätigen wollen, wobei unser Urteil ein wenig anders lautet: 2017 und Sankt Paul – eine Traumkombination, bei der man lange, lange verweilen möchte, denn das ist ohne jeden Zweifel „the most elegant vintage ever of this wine“: Finesse über alles! Unter den „Langstreckenläufern“ Friedrich Beckers ist der Sankt Paul, der Wein, der sich jetzt schon brillant in einer ersten Genussphase präsentiert und uns, das Glas in Händen, völlig begeistert und mit einer unbändigen Lust auf den nächsten Schluck zurücklässt! Ab spätestens 2022–2023 (wer jetzt schon kann und will, wird nicht enttäuscht sein) bis sicherlich 2040+. 58 PINWAND no 330 | Oktober 2021

Friedrich Becker PFALZ DEUTSCHLAND 95 Punkte SUCKLING 94 Punkte PARKER PINOT NOIR „KB“, 2017 Pinot Noir „KB“ (ehemals „Kammerberg“) – ein neuer 8000er! DPF010317 „KB“ (Kammerberg) Pinot Noir Großes Gewächs, 2017 13,5% Vol. 86,66 €/l 65,00 € DPF010317M „KB“ (Kammerberg) Pinot Noir GG, 2017 MAGNUM 13,5% Vol. 110,00 €/l 165,00 € Der „Kammerberg“ befindet sich bereits auf französischem Territorium und neigt sich nach Süden und zeigt direkt auf das idyllische Wissembourg. Die ältesten Reben wurden hier 1967 gepflanzt und stehen auf Kalksteinverwitterungsböden mit Lehm und Ton auf einer Kalksteinunterlage. Seine Bezeichnung rührt daher, dass sich schon die Mönche des Benediktinerklosters in Wissembourg an den Weinen aus genau diesem Weinberg erfreuten und ihn in ihren Klosterkammern einlagerten. Friedrich, der „alte Fritz“ Becker erkannte das Potenzial dieser Lage 1965 und erwarb das Stück in einer Zeit, als hier kaum ein Winzer Wein pflanzen wollte. Zu verlockend waren damals die mit Maschinen leicht zu bewirtschaftenden Flachlagen unweit dieses magischen Terroirs. Heute zählen die Weine aus dem Kammerberg nicht nur zur deutschen Spitze, sondern können sich, gerade in stilistischer Hinsicht (denn was läge näher?), mühelos mit den Premier Crus und Grand Crus aus dem Burgund messen. Beckers Ex-„Kammerberg“, momentan „KB“ – die Verwendung der offiziellen (!), eingeführten (!) und traditionsreichen (!) Katasternamen für Lagen auf französischem Staatsgebiet wurde von der Aufsichtsund Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland- Pfalz, der offensichtlich sämtliche Amtsschimmel durchgegangen sind, unter Strafandrohung verboten – wuchert nur so mit seinen Kirsch- und Beerenpfunden (bis hin zur Walderdbeere), ist dabei unglaublich dicht, noch fast ein wenig abweisend. Die reifen Schwarz- und Süßkirschen, Brombeeren, Holunderbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren wirken wie von von balsamischen Kräutern und dunklem Gehölz überwachsen, auf einer Lichtung im Wald brannte wohl ein Feuer, leichte Rauch-, fast Röstnoten machen sich nun bemerkbar. Nahm beim Vorgänger der Eindruck von Reife, von Fruchtsüße zumindest im Duft zu, zeigt sich der 2017er betont jugendlich, in seiner frischen, kühlen Art fast „raureifern“. Am Gaumen dann konzentrierte und wuchtige Transparenz, sehr viel Saft und ein geradezu beherzter Säurebogen, der die Frucht „vorantreibt“, sie geradezu energetisiert. Griffige, noch recht mächtigen Tannine zeichnen die Konturen nach, die sich, ob der Dichte des „KB“ anfänglich nur erahnen ließen. Der Nachhall sehr lang, noch etwas verschlossen, vermittelt aber einen sehr guten Eindruck von Eleganz (die herausragende Qualität Becker'schen Pinot Noirs von 2017!) und vor allem Größe dieses Weins. Der „KB“ erscheint, wie mittlerweile alle Großen Gewächse des Weinguts, erst vier Jahre nach der Ernte – eine Zeit, die von den „Langstreckenläufern“ Friedrich Beckers benötigt wird, um sich in einer ersten Genussphase zu präsentieren, da es sich hierbei um Pinot Noirs handelt, die entsprechend monumental gedacht vinifiziert wurde, also enormes Entwicklungs- und Reifepotenzial besitzen. Das gilt in besonderem Maße auch für den „KB“, der sensationell gelungen ist! Dürfte sich von 2024+ an auf einem ersten Höhepunkt befinden. Dann bis 2042+. 59

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