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PINwand Nr. 329

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Pinard de Picard Weinmailing, Ausgabe Okober 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

ITALIEN SÜDTIROL

ITALIEN SÜDTIROL Nusserhof 40 JAHRE VERZICHT AUF CHEMIE IM WEINBERG Die Familie Mayr, heute von Senior-Chef Heinrich Mayr und seiner Tochter Gloria (nach ihr ist die Spitzencuvée des Hauses benannt) geführt, hat sich auch ansonsten weitgehend dem Hamsterrad des Wirtschaftswachstums entzogen. Seit bereits 1994 wird hier auf lediglich 4 Hektar Rebfläche zertifizierter Bioweinbau betrieben. Es überrascht also nicht, dass vom Nusserhof keine kommerziellen Fotos existieren, eine Website nie in Planung war und es sich, aufgrund des generellen Desinteresses Wettbewerben und ähnlichen Veranstaltungen, recht schwierig gestaltet, halbwegs plakative Auszeichnungen oder Kritikerhymnen aufzutreiben. Wer zur Erkenntnis gelangen will, der muss das Paradies (wie die Familie ihren Hof liebenswert bezeichnet) eben selbst erkunden! Wenn man sich den Rebsortenspiegel des Weinguts vergegenwärtigt, meint man in einem Archiv historischer Rebsorten zu blättern. Bei den Weinen des Nusserhofs wird ausschließlich auf autochthone Trauben der Region – wie etwa Teroldego, Lagrein oder Vernatsch – zurückgegriffen, dazu auch auf mittlerweile fast vergessene Vertreter: „Vor hundert Jahren war der Blatterle in Bozen eine Hauptweinsorte, heute ist Heinrich Mayr mit seinem Viertel Hektar Blatterle gleichzeitig der größte Produzent wie der letzte, melancholisch-weise Forscher dieser Rebsorte. Neben dem archaischen Blatterle umfasst das bereits seit über einem Vierteljahrhundert biozertifizierte Sortiment vor allem großartige Rotwein-Persönlichkeiten von tiefwurzelnden, teils 80 Jahre alten Reben.“ berichtet der Gault&Millau. Die Reben gedeihen hier weiterhin prächtig auf dem sogenannten „Bozner Boden“, dessen von Porphyr geprägter Schwemmlandboden nicht nur die wärmesüchtigen Obstsorten zu schätzen wissen. „Dieses kleine Weingut in Bozen steht für Weine mit Persönlichkeit und Charakter.“ resümiert Antonio Galloni. Völlig intakte, von chemischen Präparaten bald ein halbes Jahrhundert lang verschonte Weinberge, überwiegend viele über 50-jährige Reben, die einen Ertrag zwischen 20-40 hl/ha hervorbringen, der Verzicht auf Reinzuchthefen im Keller sowie ein über die Maßen geduldiger Ausbau der Weine (die Roten des Hauses reifen vor Freigabe zum Teil über viele Jahre im Fass- und Flaschenlager), sind dabei nur ein Teil der Erklärung für die Güte der Nusserhof- Gewächse. Es ist wie immer die Mischung aus Natur, Handwerk und Mensch, die für besonders authentische wie große Weine verantwortlich zeichnet. Die Familie Mayr-Nusser erinnert an einen Schlag Mensch, der heutzutage selten anzutreffen ist. Rückgrat, Sorgfalt, Erhaltungstrieb und Nachhaltigkeit sind hier keine zeitgeistigen Worthülsen, sondern echte Werte, die nicht nur in der Theorie, sondern durch gelebte Praxis über Generationen nachvollziehbar sind. Das ist es, was uns zu den großen Weinen wie auch zu den besonderen Menschen, die hinter ihnen stehen, aufblicken lässt. Um es mit den Worten von Eric Guido (Vinous) zusammenzufassen: „Es handelt sich um Weine mit Seele, dunkel, aber auch voller Energie, die ihre alpinen Wurzeln sowie die Leidenschaft ihrer Winzer zum Ausdruck bringen.“ PS: Den Umstand, dass nahezu alle Weine als einfache „vini da tavola“ bezeichnet sind, hat den – weiß man um die Geschichte und das Engagement des Guts – absurden Hintergrund, dass die autochthonen Rebsorten nach den aktuellen Regularien der DOC nicht mehr zugelassen sind. Wie’s schon bei Schiller heißt: „Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen“. In diesem Sinne … ein Hoch auf den Nusserhof! Der Nusserhof in einem Bild: Seniorchef Heinrich Mayr und Tochter Gloria 90 PINWAND no 329 | Oktober 2021

Nusserhof SÜDTIROL ITALIEN „B..TE..E“ (BLATTERLE) VINO DA TAVOLA, BIANCO 2019 (BIO) König der Nische ITS030219 „B..te..e“ (Blatterle) Vino da Tavola, bianco 2019 11,5% Vol. 28,00 €/l 21,00 € ITO-BIO-013 „Vor hundert Jahren war der Blatterle in Bozen eine Hauptweinsorte, heute ist Heinrich Mayr mit seinem Viertelhektar Blatterle (sic!) gleichzeitig der größte Produzent wie der letzte, melancholisch-weise Forscher dieser Rebsorte.“ berichtet der Gault&Millau. Ja, werte Kunden, sie haben richtig gelesen. Vom Blatterle, einer nahezu ausgestorbenen Weißweinsorte, deren Abstammung bis heute nicht eindeutig geklärt ist, gibt es in Italien nur noch wenige Rebzeilen, und diese befinden sich quasi im Monopolbesitz (0,5ha) unseres geschätzten Nusserhofs. Heinrich Mayr ist der Pionier und Bewahrer dieser eigenwilligen Rebsorte. Die Trauben wachsen lockerbeerig, fallen relativ klein und oft samenlos am Stock aus. Ihre Schale ist dünn, die Trauben sind goldfarben. Mittlerweile versucht die Familie, auch aufgrund des enormen Interesses an dem „B..te..e“, die Rebstöcke mittels sélection massale zu vermehren, doch wird es sich immer um ein absolutes Nischenerzeugnis handeln. Die Reben sind hier wurzelecht und liefern einen Wein, der sich bei uns tief ins Gedächtnis gebrannt hat. Nach mehrwöchiger Maischegärung, wandert der Wein in Stahltanks und reift anschließend vor Freigabe mindestens ein weiteres halbes Jahr auf der Flasche. Manche Forschungen gehen von einer Verwandtschaft mit der Muskateller- Rebe aus – was wir geschmacklich durchaus nachvollziehen können, allerdings besitzt der Blatterle eine deutlich kräftigere Struktur. Aus dem goldgelben Glas duftet es feinwürzig nach Muskatnuss, Lindenblüten, etwas Ingwer und gelben Birnen. Das Bouquet ist würzig und nussig. Am Gaumen – und dies überrascht – zeigt sich dieser 11,5 Vol.-% leichte Weißwein enorm strukturiert und erdig. Die Frucht ist im Hintergrund, die Struktur gibt den Ton an, ohne durch harte Phenolik abzuschrecken. Das erinnert uns bemerkenswert an Chenin Blanc von der Loire, auch wenn der „B..te..e“ hier insgesamt feiner und schlanker ausfällt. Diese Mischung aus hefigen, würzigen, nussigen und apfeligen Noten ist wunderbar anregend. Im Nachhall dann auch Amalfi-Zitronen, selbst wenn das Thema Säure hier keine nennenswerte Rolle spielt. Ein Wein, der enorm in die Tiefe geht, ohne schwer zu wirken, ein echtes Unikat, das für uns zu den interessantesten Weißweinen Italiens zählt. Es ist mehr als bedauerlich, dass dieses absolut köstliche Faszinosum aufgrund seines Seltenheitswerts dem Gros aller Weinliebhaber wohl entgehen oder sogar verborgen bleiben wird! max 3 Fl. / Kunde Dieser Exot trinkt sich momentan wunderbar, hat unserer Erfahrung nach aber Potenzial für mindestens 5–7 Jahre. Bitte also unbedingt auch eine Flasche zur Reifung weglegen! 91

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