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PINwand Nr. 329

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Pinard de Picard Weinmailing, Ausgabe Okober 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

ITALIEN PIEMONT Negri

ITALIEN PIEMONT Negri Ihr Qualitätsanspruch ist deutlich definiert. Wer in diesem jungen Alter einen etablierten Betrieb übernimmt, sollte klare Visionen haben. Ihre Weinberge stellt sie aktuell auf biologische Bewirtschaftung um, mit dem Jahrgang 2019 werden dann alle Weine bio-zertifiziert sein. Alle Trauben werden hier in kleinen Kisten von Hand gelesen und dann spontan vergoren. Ihren Barolo baut sie klassisch in besagten 2500-Liter-Botti (slawonische Eiche) aus, Chardonnay und Pinot Noir nach burgundischem Vorbild in Barriques, davon allerdings nur ein geringer Anteil neues Holz. Wer das Gut im Spätherbst zur Trüffelsaison besucht, blickt von der historischen Einzellage „Serradenari“, die als höchstgelegene im Barologebiet gilt, in den Morgenstunden wie von einem Balkon über die Wolkenlandschaft, unter der sich Langhe versteckt. Sechseinhalb Hektar Weinberge zählen zum Familienbesitz, zwölf weitere sind Waldstücke, die sich zwischen den verschiedenen Weinparzellen erstrecken, die allesamt auf 400 bis 530 Metern Höhe liegen. Als wir ihren Chardonnay und Pinot Noir zum ersten Mal probierten, wurde uns sofort bewusst, dass Giulia sämtliche ihrer Projekte, nicht nur die Barolo, mit höchstem Qualitätsanspruch angeht. Speziell der Chardonnay zählt, obwohl er noch nicht auf eine allzu lange Geschichte zurückblicken kann, bereits jetzt zu den allerfeinsten, die wir aus dem Piemont kennen. Der lange Ausbau über 16 Monate in 350-Liter-Fässern (lediglich 30 % Neuholzanteil), die nördliche Exposition der Reben auf über 500 Metern Höhe und natürlich das richtige Gespür für den perfekten, sprich rechtzeitigen (!) Lesezeitpunkt, bringen einen Chardonnay hervor, der (s)ein klares Vorbild vor unserem „sensorischen“ Auge aufleuchten lässt. Die Trauben für ihre Barolo wachsen meist auf sandigem Untergrund und trotz des noch relativ jungen Alters der überwiegend 2001 gepflanzten Reben, erzielt Giulia eine Tiefe und Spannung in den Weinen, wie wir sie nur von etablierten Größen der Region kennen. Hier hat alles Hand und Fuß und, vor allem, allergrößtes Potenzial für die Zukunft. Es ist noch nicht lange her, dass Giulia ihren Wein noch in der Garage ausbaute, sie liebte dieses Dasein als Garagenwinzerin, ihre Winzerfreunde (die genauso tickten wie sie) und die herrlich „ketzerischen“, ideologiefreien Weine – produziert von echten Wein-Handwerkern. Irgendjemand bezeichnete sie damals als „Barolo Girl“, eine liebevolle Anspielung auf die legendären „Barolo Boys“, die in den 1980er- und 90er-Jahren den Weinbau im Piemont revolutionierten. , weil Giulia auf ihre eigene Art und Weise ihre Weine vinifizierte, frei von Dogmen und so, wie es ihren Ideen entsprach. Das „Barolo Girl“ ist die frei von jeglichen Dogmen vinifizierende Winzerin seitdem nicht mehr losgeworden. Umso selbstbewusster und stolzer trägt sie diesen Titel jetzt als Auszeichnung. Ihre Barolo werden heute als Mischung aus Tradition und Moderne, Old School und „frech“ beschrieben. Darin steckt viel Wahrheit. Schon jetzt zählt sie zu den wohl meistbeobachteten Jungwinzerinnen ihrer Generation, obwohl sie das Weingut erst seit 2014 im Alleingang leitet. Und weil die großen Themen Demut, Begeisterung und Anspruch bei ihr an oberster Stelle stehen, sind wir uns sicher, in den nächsten Jahren noch enorm viel von Giulia Negri zu hören! 82 PINWAND no 329 | Oktober 2021

Negri PIEMONT ITALIEN BARBERA D’ALBA 2019 Charme, Finesse und Eleganz sind die Attribute dieses wunderschönen Barbera IPI090719 Barbera d’Alba 2019 13,5% Vol. 21,20 €/l 15,90 € Wenn vom Piemont die Rede ist, dann ist der Nebbiolo in Form des „Barolo“ oder „Barbaresco“ meist der König und der „Barbera“ eher der Landadel. Da ist auch was dran. Aber manchmal hat der Landadel eben auch seine Vorzüge. Man muss nicht so auf die Etikette achten, es geht nicht so steif zu, und da ist oft mehr Leben drin als am Hofe. Übersetzt gesagt, kann das beim „Barbera“ heißen, dass der Wein gerade in jungen Jahren mehr Charme und Ausdruck besitzt als ein „Barolo“, auf den man deutlich länger warten muss, bis er sich einem mit seiner Noblesse und Eleganz zuwendet. Bei Giulia Negri gibt es einen „Barbera“, der den Charme mit der Eleganz verbindet. Ja, mehr noch: Er wirkt finessenreich und besitzt eine Frische und Klarheit des Ausdrucks, die selten ist und die sich seidig und fast grazil am Gaumen entfaltet und beeindruckt. Das Geheimnis ist die exzellente Lage des „Barbera“, dessen Reben in Weinbergen in La Morra stehen. Es ist also beste Provenienz mit Böden von Kalkstein aus dem Tortonium sowie sandig lehmigen Oberböden, die sich auf einer Höhe von 400 Metern befinden. Giulia Negri vergärt die Barbera-Trauben spontan im 350-Liter-Holzfass aus französischer Eiche, lässt dort auch die malolaktische Gärung geschehen und den Wein schließlich über 16 Monate hinweg in den Tonneaux reifen. So entsteht ein verlockender Wein, der einen Hauch von süßen Hefenoten mit der Frucht von frisch zerstoßenen Beeren und reifen Pfirsichen und Schwarzkirschen verbindet und mit kühlem Stein, etwas Laub und Marzipan unterlegt. Am Gaumen zeigt sich eine warme wie auch knackige Frucht mit frischer Säure, aber auch mit sinnlichem Schmelz und einem ungewöhnlich markanten, aber feinkörnigen Gerbstoff. So energetisch, so vital, so elegant, charmant und fein kann „Barbera“ sein. Der Barbera sorgt jetzt und sicher auch bis 2027 für viele Glückmomente. LANGHE NEBBIOLO „PIAN DELLE MOLE” 2019 Wenn Bodenständigkeit und Eleganz eine Balance finden IPI090319 Langhe Nebbiolo „Pian Delle Mole” 2019 13,5% Vol. 22,53 €/l 16,90 € Der Nebbiolo ist eine Rebsorte, die in jungen Jahren eher schüchtern bis abweisend sein kann. Nicht umsonst hat man die Barolo-Weine früher jahrzehntelang ins Fass gelegt. Wenn man nun in seinem Weingut Lagen hat, die durch die Bank weg so gut sind, dass man ausschließlich „Barolo“ erzeugen könnte, dann muss man sich gut überlegen, wie man den Einstieg schafft. Giulia Negri, unser Piemonteser Nachwuchs-Star, der sich mittlerweile schon so etabliert hat, dass man von Nachwuchs eigentlich nicht mehr reden kann, hat sich dem Nebbiolo in seiner Grundform und in all seiner Vielschichtigkeit gewidmet und liefert mit dem „Pian delle Mole“ einen wunderbaren „Langhe Nebbiolo“, der die Kraft und die Bodenständigkeit der Sorte mit einer gewissen Eleganz verbindet und das Unaufgeregte und Unkomplizierte in den Mittelpunkt stellt, ohne auf Anspruch und Finesse zu verzichten. Die Quadratur des Kreises? Mitnichten, das ist einfach gekonnt, und es zeigt die klare Linie der jungen Winzerin. Ausgebaut in mehrjährigen 500-Liter-Tonneaux und aus einer 500 Meter hoch gelegenen Weinbergslage stammend, ist das ein Nebbiolo, der seine Transparenz und Klarheit schon in der Farbtiefe zeigt. Im Duft erinnert er an Kirschen samt Kirschkernen, Blüten, trockenen Waldboden, gelagerte Holzscheite und Kräuter. Am Gaumen wirkt der Wein saftig, hell in seiner rotbeerigen und leicht kirschigen Frucht, die sich wiederum mit trockenen Waldaromen, etwas Tabak, Nüssen und Berberitzen verbindet. Die agile Säure sorgt für Trinkfluss, das Tannin für Struktur und Grip. Das hat Anspruch, bleibt aber herrlich unkompliziert, ist saftig und tief in der Tradition der Heimat verhaftet. Zu genießen ab sofort, Höhepunkt wohl 2023–2030+. Unzertrennlich wie Geschwister: Chiara Condello und Giuilia Negri 83

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