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PINwand Nr. 329

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Pinard de Picard Weinmailing, Ausgabe Okober 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

FRANKREICH RHÔNE

FRANKREICH RHÔNE Bouïssière BEAUMES-DE-VENISE, ROUGE 2019 Mediterran anmutende Cuvée aus den Beaumes-de-Venise – dem sonnendurchflutetsten Terroir der Faravels FRS150619 Beaume de Venise, rouge 2019 15% Vol. 19,86 €/l 14,90 € Beaumes-de-Venise ist ein reizvoller Ort. Er liegt nur eine Viertelstunde von Gigondas entfernt, der Heimat von Gilles und Thierry Faravel. Man fährt um die Dentelles de Montmirail, den prägenden Höhenzug der Gegend, von Nordwesten nach Südosten. Die Landschaft um Beaumes-de-Venise ist von wilder, urwüchsiger Schönheit, steinige, klippenähnliche Furchen („De La Salle“) durchbohren hier den großen Felsen „Saint-Christophe“, an dessen Fuße Weinbergterrassen liegen, die sich an die Umrisslinie des Felsens anschmiegen. Diese Terrassen bilden fast einen Kreis um den Ort, ein Umstand, der die Weinberge vor Mistralwinden weitgehend schützt, während der Fels die Hitze des Tages absorbiert und sie nachts wieder abgibt. Und an Hitze mangelt es Beaumes-de-Venise nun wahrlich nicht. Die Gemeinde ist für ihren „Vin Doux Naturel“ aus Muscat-Trauben deutlich bekannter als für ihre Rotweine. „Doch diese besitzen immer etwas, was ich auch in der Landschaft wiederfinde: etwas Überschwängliches und Fröhliches“, sagt Thierry. In Beaumes-de-Venise sind die Aromen der Grenache immer etwas mediterraner, die Tannine noch seidiger, der Wein noch „sonniger“ als in Vacqueyras oder Gigondas. Die Faravels haben den Weinberg 1985 gepachtet, als Gilles zu seinem Vater ins Weingut stieß. Insgesamt nutzen sie drei Parzellen, eine sehr sonnige und zwei auf der gegenüberliegenden Seite des Vallée de Fenouillet an einem etwas kühleren, bewaldeten Hang mit orangerotem eisenhaltigen Ton aus dem Trias. Das bringt eine gewisse Spannung und Sehnigkeit in die Cuvée, die aus rund ¾ Grenache und ¼ Syrah vinifiziert wird. Die Grenache-Reben sind im Durchschnitt 52 Jahre, der Syrah 34 Jahre alt. Gelesen wird von Hand, die Trauben werden vollständig entrappt und angequetscht. Dann findet eine langsame Gärung über rund vier Wochen statt. Es wird nicht geschönt und nicht filtriert, der Wein nicht abgestochen, sondern wird auf der Feinhefe – hälftig in alten Fudern und im Beton-cuve – ausgebaut. Auch wird bei der Füllung niemals umgepumpt, sondern ausschließlich mit Schwerkraft gearbeitet, die Schwefelzugabe beschränkt sich auf ein Minimum. So entsteht hier ein Beaumes-de-Venise, der mit dem ganzen Charme, den Weine der südlichen Rhône in sich tragen können, prunken kann. Ein leuchtend „sonniger“ Wein, der die Wärme (oder besser: die Idee der Wärme) süßer reifer Früchte in sich trägt und ein Gefühl von Samt und Seide am Gaumen zaubert. Im Duft erinnert er (leise Veilchen- und Briochenoten bezeugen seine Jugendlichkeit) an ein nicht eingekochtes (!) Fruchtmus aus dunklen Beeren (schwarze Johannisbeeren, Blaubeeren und Brombeeren), in das man ganze, leicht angequetschte Waldhimbeeren und -erdbeeren nebst schwarzen und säuerliche Kirschen untergehoben, dann mit einer Spur Sternanis, Zimt und gemahlenem Koriander gewürzt hat. Am Gaumen verbinden sich das ungemein charmante Tannin und die reife, nun gar nicht mehr ganz so warme, weil nun auch zart-säuerliche Frucht mit etwas Süßholz, einer Spur kandierter Orangenschale und von Lakritze und floralen Noten (ein Hauch von Nektar). Das Eisen im Boden des Weinbergs fördert die eingangs erwähnte Spannung, scheint in der mineralischen Ader des Weins gespiegelt zu sein und sorgt für dessen Lebendigkeit. Beaumes-de-Venise (das „Beaumes“ hat, trotz der geradezu „balsamischen“ Frucht im Wein etymologisch nichts mit irgendwelchen „Balmen“ zu tun, sondern bedeutet soviel wie „Grotte“ bzw. „Grotten“) – besonders gelungener Ausdruck eines besonderen Terroirs und des hinreißenden, genuin südlichen Charmes der Rebsorte Grenache. Ein vin gourmand vom Allerfeinsten! Ab sofort (und auch leicht gekühlt) ein Genuss. Bis leicht 2027+. 20 PINWAND no 329 | Oktober 2021

Bouïssière RHÔNE FRANKREICH VACQUEYRAS, ROUGE 2019 Wunderbar komplexer, dabei sinnlicher und hocheleganter Vacqueyras von La Bouïssière FRS150419 Vacqueyras, rouge 2019 15% Vol. 25,20 €/l 18,90 € Auf dem Weg von Gigondas rund um die Dentelles de Montmirail – jenem Höhenzug, der auch auf den Etiketten der Domaine abgebildet ist – gelangt man nach Vacqueyras. Zusammen mit Gigondas gehört der Ort zu den bedeutendsten village-Crus – nach dem ungleich berühmteren Châteauneuf-du-Pape. Doch obwohl der Weinberg der Faravels nur „einen Krähenflug weit“ entfernt liegt (so Thierry Faravel), ist das Terroir ein völlig anderes. In Vacqueyras bestehen die Terrassen der Weinberge aus Schwemmland, das der Fluss Ouvèze, aber auch urzeitliche Gletscher vor langer Zeit hinterlassen haben. Die Parzellen, die Gilles und Thierry dort bewirtschaften, stammen von Gilles’ Ehefrau, die sie vor 20 Jahren von ihrem Vater geerbt hat. Die Hänge von Vacqueyras sind sanfter als die von Gigondas, die Weinberge weniger stark parzelliert, daher auch entsprechend größer. Außerdem sind sie stärker der Mittagssonne ausgesetzt, was den Weinen einen wärmeren Charakter verleiht. Neben dem Schwemmlandmaterial finden sich Sand und Lehm sowie in den oberen Bereichen auch die für die Südrhône und vor allem für Châteauneuf-du-Pape bekannten „galets roulés“, jene großen runden Quarzkiesel. Die Reben stehen in zwei Weinbergen, die Gilles biologisch-organisch (bisher noch ohne Zertifikation) bewirtschaftet. Trotzdem schwört er Stein und Bein, dass er dort außer Schwefel, ein wenig Kupfer und einigen biodynamischen Präparaten nichts einbringt – was man ihnen (ganz ohne Schwur) auch sofort ansieht. Die Weine aus dem Weinberg „La Ponche“ sind immer etwas reifer, dichter und wärmer, da die Böden hier reich an Lehm sind. Im Gegensatz dazu zeigt sich der höher gelegene Weinberg „Bel Air“ finessenreicher, die Grenache ist heller, erdbeeriger und mediterraner, der Syrah duftiger und präziser. Für Thierry ist der Vacqueyras des Hauses ein rustikaler, erdiger und ehrlicher Wein, der gezähmt werden will, ja gezähmt werden muss (und sei es nur durch Zeit), um ihm all seine Finesse und Eleganz zu entlocken. Um das Terroir so perfekt, so folgerichtig (weil eben „wahrhaftig“) wie möglich abzubilden, nutzt Thierry rund ein Drittel Grenache von im Schnitt 59-jährigen Rebstöcken sowie gut 50% Syrah (16 Jahre alt) und etwas Mourvèdre (27 Jahre alt). Damit unterscheidet sich diese Cuvée von den Gigondas, weil Süße und Tiefe, Volumen und Dichte der Vacqueyras-Grenache von noch mehr strukturierenden Elementen „kontrapunktisch komplettiert“ werden. Das macht Thierry mittlerweile in Perfektion. Der Wein wirkt – wie schon im Vorjahr – beeindruckend harmonisch. Die Trauben wurden von Hand gelesen sowie sortiert, und es folgte eine kühle Vorvergärung bei 13 %°C. Thierry verwendet hier hälftig Ganztrauben. Er lässt den Wein mit 30 Tagen recht lange vergären, setzt dabei aber nicht auf übermäßige Extraktion. Nach der Gärung reifen die Weine in cuves, demi-muids (zu knapp drei Vierteln aus Viertbis Zehntbelegung) und Barriques (zu etwa einem Viertel aus Viertbelegung). Die Weine reifen dann auf der Feinhefe und werden nicht abgestochen, um ein Maximum an CO2 zu bewahren, was die spätere Schwefelzugabe äußerst niedrig hält. Auch sonst wird nicht gepumpt, sondern nur per Schwerkraft bewegt, nicht geschönt und nicht filtriert. Das Ergebnis ist ein bei aller Komplexität schon jetzt überaus nahbarer Wein, dessen Fruchtsüße und -reife (Walderdbeeren, Himbeeren, Cassis und ein kleiner Anteil roter Johannisbeeren) in Kombination mit herrlich würzigen Noten (Süßholz, weißer Pfeffer, fast erdig-harzige, dabei ätherische Garrigue) und einem Hauch Blütenduft Köstliches verheißen. Am Gaumen wird diese Verheißung elegant in die Realität überführt, mehr kühle Seide als schwerer Samt, beherzt zwar, aber niemals ausladend üppig. Den Anfang macht die verdichtete Frucht der Grenache (wieder die Melange aus Beeren), die zunehmend an dunkler Würze gewinnt (wieder Süßholz, wieder die sommerlich sonnenbeschienene Garrigue – vom Grün der Pflanze bis hin zum Holz, bis hin zu den warmen, rauen Steinen), dann macht sich eine feine, präsente, dabei reife Säure bemerkbar, die dem Wein Spannung, Textur und Richtung, einen gewissen spin verleiht, der von den animierend festen, noch prägenden Tanninen in seinem Lauf noch etwas gebremst wird („ein Wein der gezähmt werden muss“ …!). Und doch ist dieser Vacqueyras schon dermaßen sinnlich, dermaßen elegant – Thierry Faravel hat seine Weine im Laufe der letzten Jahre immer feiner und feiner werden lassen ohne den bodenständigen Charakter der Region stilistisch zu camouflieren –, dass man sich nur allzu gerne der extrem angenehmen Aufgabe der Domestizierung hingibt. Vive le Vacqueyras! Ab sofort und mit Gusto ein großer Genuss, ab etwa 2024 auf seinem Höhepunkt, dann bis sicherlich 2030+. VIVE LE VACQUEYRAS! 21

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