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PINwand Nr. 327

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Weinmailing Ausgabe August 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

FRANKREICH BEAUJOLAIS

FRANKREICH BEAUJOLAIS Thillardon „COUP DOUBLE“ CHÉNAS, ROUGE 2019 (BIO) Funky-Time im Glas aus Chénas FBJ051119 „Coup Double“ Chénas, rouge 2019 13% Vol. 30,66 €/l 23,00 € FR-BIO-15 Dieser neue Wein aus dem Hause Thillardon hat eine ganz besondere Vorgeschichte; denn im Jahr 2018 sind beide Thillardons, Paul-Henri und Charles, Väter je eines Zwillingspaars geworden. Haben Sie so etwas schon einmal gehört? Wir nicht, und es dürfte in der Weinwelt wohl auch einzigartig sein. Die beiden Väter haben den Wein „Coup Double“ genannt und auf dem Rückenetikett die Initialen der Namen ihrer Kinder verewigt: S. T. L. V. Der „Coup Double“ stammt aus dem Terroir von Les Boccards, einer der schönsten Parzellen der domaine, die sehr steil ist und mit Pferden bearbeitet wird. Die Reben befinden sich auf dem nach Südwesten ausgerichteten Plateau, welches das Château des Boccards umgibt – daher auch der Name. Die Reben werden seit 1990 biologisch gepflegt, also schon seit einer Zeit, in der die beiden Thillardons noch gar nicht ans Weinmachen dachten. Der Boden wird hier wie auch in vielen anderen geeigneten Parzellen mit dem Pferd gepflügt, die Lese erfolgt selbstverständlich von Hand. Der Wein wird im Keller ganz ähnlich wie die anderen Weine des Hauses erzeugt. Die Trauben werden entrappt und heruntergekühlt. Ein Teil der Trauben wird (wie im Beaujolais üblich) einer macération carbonique, also einer Kohlensäuremaischegärung unterzogen. Danach wird der andere, traditionellerweise entrappte und schon teilvergorene Anteil hinzugegeben. Die Gärkohlensäure verdrängt dann den Sauerstoff im Most. Diese Methode führt nicht zuletzt zum typisch seidigen Tannin der Beaujolais. Die Mazeration dauert etwa 14 bis zu 28 Tage. Beim anschließenden Pressen wird eine neue, moderne Vaslin-Vertikalpresse verwendet, die bei den Thillardons für noch feinere Ergebnisse sorgt. Ja, auch wenn die beiden ganz sicher zu den Naturwein-Winzern zählen, so sind sie sicher keine Ideologen, sondern Handwerker, denen ein feiner, sauber vinifizierter Wein am wichtigsten ist. Beim „Coup Double“ haben sie den Gamay zu 40 % für zehn Monate im Fass ausgebaut und ohne Filtration oder Schönung, aber auch ohne weitere Schwefelung – vinifié sans intrants, wie es auf dem Etikett heißt – abgefüllt. In der Kollektion des 2019er-Jahrgangs ist dies der dunkelste aller Weine. Und doch kann man mühelos seine Zeitung durch den unfiltrierten „Coup Double“ lesen. Es lohnt sich, diesen Wein ein bis zwei Stunden vorab zu entkorken, damit sich die Fruchtintensität voll entfalten kann. Ein Karaffieren ist nicht unbedingt nötig, aber sicher zuträglich. Was da so fein aus dem Glas duftet und die Nase kitzelt, erinnert an Himbeerbrause, duftige Mara-Bois-Erdbeeren und sogar ein wenig Hefe, wie wir es von den belgischen Sauerkirsch-Bieren, dem sogenannten Kriek kennen. Und eben von ungeschwefeltem Wein. Das regt regelrecht den Appetit an, macht Lust auf Begleitung eher fetter Speisen! Denn die Säure räumt den Gaumen regelrecht auf. Hier zeigt sich dieser Chénas dann auch betont stoffig, wird aber von der Aromatik pürierter roter Früchte bestens aufgelockert. Mit 13 Volumenprozent Alkohol zeigt er sich mittelgewichtig, wenngleich die als funky zu bezeichnende Aromatik ein echtes Leichtgewicht suggeriert. Der rosa Granit im Boden sorgt für eine ganz eigene mineralische Spannung, der viele Quarzit für eine rauchige Note. Ganz klar, wäre der „Coup Double“ ein Musikalbum – wir würden’s zielsicher unter Funk einordnen! Der Chénas ist mit etwas Belüftung ab sofort und sicher bis 2027 zu genießen. 22 PINWAND no 327 | August 2021

Thillardon BEAUJOLAIS FRANKREICH „CHASSIGNOL“ CHÉNAS, ROUGE 2019 (BIO) Chénas’ Ikonen-Parzelle: ein Schatz des Beaujolais FR-BIO-15 FBJ050319 „Chassignol“ Chénas, rouge 2019 13% Vol. 19,96 €/l 29,95 € FBJ050319M „Chassignol“ Chénas, rouge 2019 MAGNUM 13% Vol. 43,33 €/l 65,00 € Die Spitzenlage der Gebrüder Thillardon namens „Chassignol“ beginnt direkt hinter der Domaine und zieht sich sehr steil den Hügel hinauf. Paul-Henri und Charles sind mittlerweile Alleinbesitzer des Weinbergs, er ist also eine Monopollage geworden, nachdem sie vor ein paar Jahren die letzte Parzelle von einem Nachbarn erwerben konnten. Die Trauben dieser Parzelle – mit dem Jahrgang 2019 ebenfalls auf biologische Bewirtschaftung umgestellt – fließen in den „Les Vibrations“ ein, während für den „Chassignol“ nur die besten, mehr als 90 Jahre alten Rebstöcke dieses von rosa Granit und Quarz geprägten Weinbergs genutzt werden. Und der wird ausschließlich mit Pferden bearbeitet. Der Ertrag der uralten Reben liegt bei rund 15 bis 20 Hektoliter pro Hektar. Wie bei den anderen Weinen auch wurde hier eine macération semi-carbonique angewandt, um den Wein zu vergären. Der Wein wurde später zur Hälfte in alten Fässern und zur anderen Hälfte im Zement ausgebaut. Wie alle unfiltrierten Weine des Hauses zeigt sich dieser Chénas leicht trüb im Glas, bleibt aber trotz der gedeckt ziegelroten Farbe durchsichtig. Es ist der große Wein der Gebrüder drum zeigt er sich in der Jugend oft etwas verschossener. Weil wir hier aber im Beaujolais sind und Trinkfluss bei Thillardon oberste Prämisse bildet, kann man diesen großen Wein schon jetzt mit ebenso großem Genuss antrinken. Er braucht etwas Zeit, darf gerne karaffiert werden. Neben einem Anflug von Bleistift (Graphit) riecht es hier ein wenig nach eingelegten Senfkörnern, dazu steigen Himbeeren, Pflaumensaft und Lakritz aus dem Glas. Durch den Verzicht auf Schwefelung öffnet sich das Bouquet enorm, hat eine ganz eigene Tiefe und Aromatik. Am Gaumen zeigt sich dieser Cru – und um einen solchen handelt es sich zweifelsohne – komplex und tief in seinen Dimensionen aus Frucht und Würze, Kraft und Eleganz, Frische und Struktur. Was sich hier offenbart zeigt einmal mehr, dass die besten Beaujolais sich vor den Crus des Burgund nicht verstecken müssen. Im Gegenteil! Was man hier für einen Bruchteil der Preise im Burgund ins Glas bekommt, zeigt Größe, und wir wissen mittlerweile, dass diese Weine auch mindestens genauso gut reifen wie die berühmten Nachbarn. Dabei transportiert uns der „Chassignol“ in eine ganz eigene Aromenwelt, die dem nicht so weit entfernten Jura und seinen Rebsorten wie Plousard und Trousseau wenn nicht genetisch, dann doch seelisch verwandt ist. Dieser Wein zelebriert die feine Säure der Rotweintraube förmlich, legt das einengende Tanninkorsett ab und gewinnt durch den schonenden Ausbau und Verzicht jeglicher Additive an Vitalität, die eindrucksvoll erkennbar macht, warum viele Franzosen bei sogenannten natural wines von vins vivants, also lebendigen Weinen sprechen. Das ist ein kerniger, fruchtintensiver und doch leicht über den Gaumen fließender Wein, der ohne Schwere Kraft vermittelt. Bei all dieser Lebendigkeit und dem Fokus auf die klare Frucht darf man nicht unterschätzen, wie gut Beaujolais von großen Crus wie diesem reifen können. Sie gewinnen dann an Tiefe, Mineralität und Charakter, können den großen Pinot Noirs aus Chambolle-Musigny, Morey-Saint-Denis und Co. durchaus Konkurrenz bereiten und sind selbst für sehr geübte Weinnasen nur schwer voneinander zu unterscheiden. Der in Beaune lebende Kritiker William Kelley (Robert Parker’s Wine Advocate) weiß das alles und vergab im Vorjahr 95 Punkte, die ein Wein dieser Güte mehr als verdient! Wir trauen diesem Chénas ein großes Potenzial – über 2035 hinaus – zu. Momentan sollten Sie ihn noch karaffieren und ihn aus bauchigen Rotweingläsern genießen. Ein großer Wein, auch wenn der Preis das nicht suggeriert. MONOPOLLAGE! 23

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