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PINwand Nr. 327

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Weinmailing Ausgabe August 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

FRANKREICH BEAUJOLAIS

FRANKREICH BEAUJOLAIS Thillardon „RAISIN LIBRE“ BEAUJOLAIS, ROUGE 2019 (BIO) Der Sommer schmeckt nach Freiheit und Beaujolais FBJ050519 „Raisin Libre“ Beaujolais, rouge 2019 12,5% Vol. 21,26 €/l 15,95 € FR-BIO-15 Schon seit Jahren empfiehlt Jancis Robinson das Beaujolais als oft übersehenes Stiefkind des französischen Weinbaus, lange Zeit ohne große Resonanz, haftete der Region noch immer das Image des Beaujolais nouveau an. Diese Krise und die Preissteigerung der begehrten Burgunder der Côte d‘Or haben jedoch mittlerweile zu einer Bereinigung und deutlichen Qualitätssteigerung in der südlich gelegenen Heimat des Gamay geführt. Besonders junge Winzer wie Paul-Henri Thillardon und sein Bruder Charles, die seit 2008 in Chénas ihre lediglich 14 Hektar umfassende domaine Stück für Stück aufbauten, produzieren heute überzeugende Weine. Durch biodynamischen Anbau konnten sie den granithaltigen Boden revitalisieren, aus dem die Rebstöcke ihre Kraft ziehen. Der „Raisin Libre“ stammt von Weinbergen der Gemeinde Frontenas, deutlich südlich von Chénas gelegen. Nicht Granit, sondern lehmig-kalkiger Boden prägt hier die Landschaft. Hellrot, leicht trüb zeigt er sich im Glas, duftet nach Kaffee, Apfel und ganz zart auch nach Rauchnoten. Am Gaumen dominiert eine durchdringende Mineralität mit vielen Nuancen, getragen von einem guten, aber nicht übertriebenen Säuregerüst, das gleichzeitig in schöner Balance zu geschmeidigen Aromen steht: Kaffee, Toffee. Frucht (Obstnoten: vor allem Apfel) begleiten den Trinkgenuss nur im Hintergrund, ohne der beeindruckenden Mineralität ihre Tiefe zu rauben oder sie gar zu verschlucken. Der Terroir-Charakter des granitdurchzogenen Bodens tritt bei niedrigen Temperaturen umso stärker zu Tage, daher unbedingt gekühlt servieren bei etwa 8 bis 10 °C. Der „Raisin Libre“ beweist sehr schön, dass vom neuen Fokus auf Qualität nicht nur die Crus des Beaujolais profitieren. Der frische Gamay wird bei Domaine Thillardon zu einem Wein mit Komplexität und Eigenständigkeit. Obwohl man den Spaß spendenden Sommer- Roten nun durchaus ernst nehmen sollte, ist er vor allem ernstzunehmende Konkurrenz für Weiß- und Roséweine. Ein ausgezeichneter Wein zum Essen ist er sowieso: Grandios beim Picknick oder überall, wo die Sonne scheint, zu Tunfischsalatsandwiches oder geröstetem Baguette und Baba Ghanoush. Ab sofort bis sicherlich 2027+. 20 PINWAND no 327 | August 2021

Thillardon BEAUJOLAIS FRANKREICH „LES CARRIÈRES“ CHÉNAS, ROUGE 2020 (BIO) Junger Chénas voller Saftigkeit und Spannung. Ein Wein zum Verlieben! FBJ050120 „Les Carrières“ Chénas, rouge 2020 11,5% Vol. 26,60 €/l 19,95 € FR-BIO-15 „Les Carrières“ stammt aus einer Parzelle mit Silexböden, die sich – wie ihr Name schon vermuten lässt – auf dem Terrain eines ehemaligen Steinbruchs befindet. Wenn man diesen Wein neben dem schwebend leichtfüßigen Gamay aus Moulin à Vent im Glas hatte, wird augenscheinlich klar, wie sehr das Terroir hier prägt. Der Silex sorgt für einen engmaschigen Wein, der enormen Druck am Gaumen erzeugt, sich enorm seriös präsentiert und doch die pure Eleganz der nach wie vor preiswerten Region Burgunds betont. Die Brüder Paul-Henri und Charles arbeiten im Weinberg seit 2011 wird bio-zertifiziert (seit 2008 schon mit vielen biodynamischem Komponenten). Im Keller wird so zurückhaltend wie möglich vinifiziert: zarte Extraktion, keine Mostschwefelung, keine Filtration oder Schönung sowie ein Ausbau in größeren neutralen Gebinden. 2019 erwies sich erneut als Herausforderung für die Region: erst Frühjahrsfröste, dann auch noch Hagel im August – die Erntemengen waren entsprechend klein, unsere Allokation ist es leider auch! Dafür verblüfft uns der Jahrgang mit einer enormen Klarheit und Charmeoffensive, wie wir sie bisweilen auch von den Pinot Noirs der Côte d’Or kennen. Dieser aufgrund des Verzichts auf Filtration zart trübe, dabei durchsichtig rubinrote Chénas duftet fein nach Hagebutten, Sauerkirschen und Himbeeren. Transparenz und Feinheit lauten hier die Stichworte. Am Gaumen da zeigt sich der Wein dicht, aber nicht in Form von schwerem und sprödem Tannin (hier nicht wesentlich ausgeprägter als bei einem stoffigen Rosé), sondern es ist die Frucht, die hier regelrecht ins Korsett eingebunden wurde, die den Wein bündelt. Was uns besonders gefällt ist die Textur des Weins, die (äußerst angenehm!) an Kreidestaub erinnert. Ein Hauch Rosenblätter, rosa Pampelmusen und Walderdbeeren hallen nach. Ein höchst sinnlicher Wein, der schmeichelt ohne sich niederer Mittel zu bedienen, der sich nicht anbiedert aber wunderschön anschmiegt. William Kelley (Wine Advocate), der die Domaine enorm schätzt („Die Brüder Thillardon werden immer stärker und entwickeln sich schnell zu einem der heute aufregendsten Erzeuger im Beaujolais.“), hat den aktuellen Jahrgang noch nicht verkostet, schloss aber seinen Bericht im Vorjahr mit diesen Worten ab, denen wir uns nur anschließen können: „Alle Weine sind wärmstens zu empfehlen.“ Schon jetzt eine Offenbarung! Bis mindestens 2030. „MOULIN À VENT“ MOULIN-À-VENT, ROUGE 2019 Transzendental schwebender Beaujolais vom rosa Granit FBJ050719 Moulin à Vent, rouge 2019 12,5% Vol. 30,66 €/l 23,00 € Auf mehreren ausgewählten Einzelparzellen rund um die berühmte Mühle, das Wahrzeichen der ganzen Region, wachsen in biologischem Anbau die Reben für diesen spektakulären Tropfen, die auf kargen von mineralischen Adern durchzogenen rosa Granitböden stehen. Das Ergebnis ist stets der transzendentalste aller Beaujolais aus dem Hause Thillardon. Er ist der Inbegriff eines Leichtbau-Weins, dessen feine Frucht förmlich aus dem Glas schwebt. In kleinen 20-Kilo- Kisten lesen die Brüder Paul-Henri und Charles hier ihre Gamay-Trauben, die binnen weniger Minuten ins Weingut gebracht werden können, wo alles mittels Schwerkraft geschieht, um das Lesegut möglichst zu schonen. Wie einen Tee lassen die Gebrüder diesen Wein dann mazerieren, anstatt die Maische dauernd zu belüften oder den Tresterhut für mehr Volumen zu stößeln. So soll das Allerfeinste der Traube extrahiert werden. Daher wird der Wein auch lediglich in neutralen Gebinden wie Beton- und Stahltanks und gebrauchten 228- bis 600-Liter-Fässern ausgebaut. Der „Moulin à Vent“ duftet ungemein frisch nach Minze, Herzkirschen und Kirschpastillen – ein höchst eleganter Rotwein, der im Glas sicherlich auch gern einmal als Weißwein durchgeht. Am Gaumen sind die Tannine buttrig weich, die feine Säurestruktur leitet den kirschigen und fruchtintensiven Beaujolais. Der Cru Moulin-à-Vent liefert häufig die finessenreichsten und elegantesten Weine des Beaujolais, die eine schon fast referenzartige Frische auszeichnet und deren mineralischer Kern mit feinster Präzision diesen sinnlichen Gamay, einem großen Pinot Noir ähnlich, prägt! Ein Beaujolais, der uns an feinsten Chambolle-Musigny erinnert, sich allerdings deutlich leichtfüßiger und zugänglicher gibt. Ganz klar: Für unseren Geschmack einer der schönsten, elegantesten Beaujolais-Interpretationen der Region. PS: Meiningers Sommelier zeichnete vor wenigen Jahren diesen Wein mit der zweithöchstem Wertung einer breit angelegten Beaujolais-Verkostung aus. Das Fazit der Jury: „natural at its best“! Ab sofort bis 2029+. 21

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