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PINwand Nr. 327

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Weinmailing Ausgabe August 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

FRANKREICH LU B E R O N

FRANKREICH LU B E R O N Guillaume Gros LIEU-DIT „CÔTEAU DE L’ARA“ LUBERON, ROUGE 2014 Herb(al)e Eruptionen garantiert – kompakte Rotwein-Cuvée für die Langstrecke! FRS040414 lieu-dit „Côteau de l'Ara“ Luberon, rouge 2014 14,5% Vol. 37,20 €/l 27,90 € Rauchpaprika und Schattenmorelle – diesen Zusammenstoß bemerkt man schon von weitem. Es sind intensive Düfte, die durchaus an das Bordelais erinnern. Schon die erste Nase macht klar, dass hier ein „no nonsense“-Wein ins Glas kommt. Es ist ein Widerstreit der Gerüche, in dem es nicht darum geht zu obsiegen. Vielmehr wirkt dieses Duftbild wie eine Kabbelei unter zweien, die sich einig sind. Deswegen greift der „grüne“ Speck auch nicht ein, der die beiden olfaktorisch einfach gewähren lässt. Denn schon einen Probeschluck später versteht man, wie die Frucht (Weichsel) und Würze (vor allem Lorbeer und Olive) zusammenhalten: Extrem kompakt ist diese Cuvée, die aus je 45 % Grenache Noir und Mourvèdre sowie 10 % Syrah besteht. Die südfranzösische Reb-Dreifaltigkeit bringt auch ihre jeweiligen Stärken zum Klingen wie in einem Choral: Syrah würzt die dunkel-fruchtige und dichte Expressivität des Beerensatten Grenache, während der Mourvèdre für Erdung und herbe Kanten im Blend sorgt. In puncto Gerbstoff steht der „Côteau de l’Ara“ 2014 am Beginn eines langen Lebens. Fast scheint es, als lasse er die Muskeln auch hier nur aus Spaß spielen – weil er es kann. Und jene belohnt, die ein wenig Geduld haben, um dieses Füllhorn zum rechten Zeitpunkt auszukosten. Cassis, Kornellkirsche und insbesondere schwarze Oliven liefern eine herbe Grundierung, die von der minimal-invasiven Kellerphilosophie Guillaume Gros noch unterstrichen wird. Ein Jahr lang vermählen sich die Aromen im großen Eichenholz-Fass, ehe sich eine 27 Monate während Reifung im Beton anschließt. Mehr als 2500 Flaschen werden von diesem Wein aber nicht gefüllt. Der Winzer selbst vergleicht den unfiltrierten Rotwein mit der Garrigue, der würzigen Buschvegetation des provenzalischen Hochlands. Und in der Tat kann man im Nachklang den blättrig-kräftigen Ausdruck der Region wiederfinden. Der kalkig-schottrige Boden lässt hier einen langlebigen Wein voller Kraft anstelle von Saft gedeihen. Aber eindimensionale Sonnenanbeter-Reben, die durch Rosé-Aderlässe noch breiter werden, gibt es im Luberon ohnehin genug. Das ist ein Gegenmodell. Limitiert, ausdrucksstark und für Kenner, die keine Etiketten, sondern Weine lieben. Ab 2022 bis 2035. LIEU-DIT „LES BIGUIÈRES“ LUBERON, ROUGE 2014 Seidige Selektion von umtosten Nordlagen FRS040814 lieu-dit „Les Biguières“ Luberon, rouge 2014 14% Vol. 37,20 €/l 27,90 € Gerade 20 Jahre ist das Weingut alt, für das Guillaume Gros seine Karriere als Sommelier in einigen der besten Häuser Frankreichs aufgegeben hat. Doch nicht nur der Mont Ventoux, „le Géant de Provence“, ragt in der Region heraus. Auch die Rieden in seinem Schatten bringen aus wenig ausgelaugten Böden wunderbare Trauben hervor. Man muss nur den richtigen Lesezeitpunkt erwischen und den Nerv haben, wenig einzugreifen. Genau dafür steht der Name Gros nach zwei Jahrzehnten, in denen er vom Aussteiger über den Geheimtipp zum Maßstab für Rotwein aus dem Luberon wurde. Der Natur dieses wildromantischen Teils der Provence zu vertrauen, steht dabei an erster Stelle. Der Mistral kühlt die an sich bereits hoch gelegenen Weingärten, die sich noch dazu mehrheitlich auf den Nordhängen der zerklüfteten und kalkigen Côtes du Lubéron befinden. Der „Les Biguières“ zeigt die Finesse, die mit dieser Konfiguration möglich ist, exemplarisch auf: Guillaume Gros vergleicht ihn mit dem Gleichgewicht eines Pinot Noir, auch wenn der Blend – 34 % Grenache Noir, 33 % Carignan und 33 % Syrah – so gar nicht danach klingen mag. Das Duftbild hingegen, von Erdbeeren und einem Quäntchen Leder ausgefüllt, geht tatsächlich weg vom Rhône-typischen Stil. Vor allem ist diese zweite Parzellen-Selektion des Winzers nur im Zusammenhang mit seiner ersten Terroir-basierten Cuvée, dem „Côteau de l’Ara“, zu sehen. Auch wenn die Sorten ähnlich und die Alkoholwerte dieser beiden Aushängeschilder gar ident sind, bringt der „Les Biguières“ eine feinere Tanninstruktur und einen viel helleren Charakter in Form eines saftigen Beeren-Mix’ mit. Seine Reife im Beton-Fass dauert auch „nur“ 20 Monate. Vollmundig und in sich ruhend, steht er mit beiden Beinen im Leben und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ein Rückgrat von Schwarztee und Heidelbeere stabilisiert die leichteren Geschmacksnoten wie Hibiskus und Walderdbeere. Der nach den Mondphasen bearbeitete Wein kommt unverfälscht – Monsieur Gros filtriert ihn nicht – und in kleiner Auflage von 2400 Bouteillen in den Handel. Aber das Gute war eben schon immer rar. Ab sofort bis 2032. 16 PINWAND no 327 | August 2021

Guillaume Gros LUBERON FRANKREICH © Domaine Guillaume Gros 17

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