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PINwand Nr 325

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Weinmailing Ausgabe Juli 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

SPANIEN RIOJA Bhilar

SPANIEN RIOJA Bhilar „VERY ORANGE!“ LUIS GUTIÉRREZ (ROBERT PARKER’S WINE ADVOCATE) „PHINCA HAPA – BLANCO“ DOCa RIOJA, BLANCO 2018 (BIO) Von Menschen und Weinen – eine bernsteinfarbene Idylle! SRI030518 „Phinca Hapa – Blanco“ DOCa Rioja, blanco 2018 (BIO) 14% Vol. 35,86 €/l 26,90 € 92 Punkte PARKER ES-ECO-002-CM Wer das Etikett genauer betrachtet, wird zwischen Palmen einen kleinen Hund entdecken, der sich anschickt, auf einem ebenso kleinen Auslegerboot ins weite Meer zu gleiten. Der Vierbeiner ist Hapa, Melanies Hund, der leider starb, als sie zu David in die Rioja zog. Zuvor war er der treue Begleiter und Weggefährte ihres früheren Leben auf Hawaii. Jetzt ist Hapa also in Bild und Wort verewigt, denn dem Andenken des geliebten Hund, haben David und Melanie einen Rotsowie einen Weißwein gewidmet. Das Lesegut für die weiße Variante (82 % Viura, 12 % Garnacha Blanca und 6 % Malvasía) stammt aus einer Einzellage mit weißen Kalkböden aus einem Teil der Rebberge um Elvillar, wo alte, 1967 gepflanzte Rebstöcke auf einer Höhe von 646 Metern wurzeln.Die Trauben durchliefen eine macération carbonique mit einem Schalenkontakt von 60 Tagen bevor sie gepresst wurden und in einem 2.700-Liter-Fuderfass ein Jahr lang reifte. Der bernsteinfarbene „Phinca Hapa – Blanco“ („This has the profile of a full orange wine“, Luis Gutiérrez) duftet fast rauchig-frostig, nach Blütenhonig, Kumquats und membrillo (spanisches Quittenbrot), leicht reduktiv – und für Liebhaber dieses Weintyps – ungalublich verführerisch. Ein Texturwein par excellence, der dennoch nicht mit Reizen geizt, hinter all der ursprünglichen Kraft und mehr als glasfüllenden Präsenz lassen sich immer wieder fruchtig-florale Elemente entdecken (Pfirsich, balsamische Blüten). Am Gaumen ist er aller Potenz zum Trotz großartig ausbalanciert, dabei in Bezug auf Säure und Tannin fast luftig gewirkt. Der Wein kleidet den Mundraum vollständig aus, ohne jedoch den Eindruck von Schwere zu hinterlassen. Diese angenehme Stoffigkeit ist hier das primäre Leitthema, die Aromen von dunklem Hefegebäck, Agrumen und eine schon wie ein Markenzeichen Davids wirkenden kalkig-kreidigen Mineralität (und Frische!) agieren wie ein perfekt eingespieltes Ensemble im Hintergrund. Nach wie vor ein Wein, der Aufmerksamkeit fordert, eine Auseinandersetzung geradezu forciert, bei dem man jede kontrolliert-rationale Reaktion zugunsten beseelter Emotionalität vernachlässigen sollte! Carpe diem, carpe vinum – und zwar diesen! Ein begeisternder Weißwein, der mehr als nur eine Geschichte zu erzählen vermag: auf dem Etikett, in der Flasche, im Glas, in der Erinnerung. Und irgendwie grüßt ganz aus der Ferne einer der großen Weißweine der Rioja, Spaniens und der Welt, der „Viña Zaconia“ des ikonischen Weinguts R. López de Heredia, so wie man vermutlich zuletzt noch in den 1970ern trinken konnte. David sei Dank, kann man sich diesen Zeiten mit dem wunderbaren weißen „Phinca Hapa“ zumindest ein Stück weit annähern! Ab sofort bis gut 2028+ – unbedingt ein voluminöseres Glas bemühen und mit der Temperatur spielen! 96 PINWAND no325 | Juli 2021

Bhilar RIOJA SPANIEN „PHINCAS – THOUSAND MILS“ DOCa RIOJA, BLANCO 2016 Faszinierend und außergewöhnlich! David Sampedro Gils weißer Gemischter Satz aus der Rioja SRI031316 „Phincas – Thousand Mils“ DOCa Rioja, blanco 2016 13% Vol. 39,93 €/l 29,95 € Es ist ein durchaus ungewöhnlicher Name, den dieser weiße Rioja trägt. „Thousand Mils“ hieß ursprünglich „Thousand Milks“, was als wörtliche Übersetzung des Spanischen (und recht derben) „mil leches“ so viel wie „Promenadenmischung“ bedeutet. Diese Sorte Hund war auch auf dem Etikett abgebildet. Doch der Kontrollrat der Rioja untersagte David Sampedro Gil die Nutzung dieses Namens, da man fürchtete, es könne Menschen geben, die den Rioja mit Milch verwechseln würden. Klar, dergleichen könnte vorkommen, wenn auch wohl nur bei des Lesens kundigen Menschen, denen gleichzeitig sowohl der Geruchssinn als auch der Geschmackssinn, das Augenlicht und der Tastsinn abhandengekommen sein mögen. Wie dem auch immer sei, der Wein trägt nun einen neuen Namen, doch der Inhalt ist im Wesentlichen seit 2008 gleichgeblieben. Hier finden unterschiedlichste weiße Rebsorten zusammen, die nach althergebrachter und jahrhundertelang üblicher Vorgehensweise zusammen angebaut, gelesen und vergoren werden. Die Leitrebsorte ist hier die Viura, die wichtigste weiße Sorte der Rioja, die in anderen Landesteilen, besonders aber im Penedés, wo aus ihr vor allem Cava entsteht, „Macabeo“ genannt wird. Neben rund 80 % Viura finden sich Garnacha Blanca und Malvasía sowie diverse weitere alte weiße Sorten in der Cuvée, die teils noch gar nicht identifiziert sind. Im Keller ging David ganz ähnlich vor wie bei seinen anderen Weißen. Die biodynamisch erzeugten Trauben wurden von Hand entrappt, mit Füßen in lagares getreten, sodass sich der Saft mit den Traubenhäuten vermischen konnte, um Farbe und Extrakte zu gewinnen und die Fermentation spontan anzufachen. Nach der Gärung wurde der Saft ganz langsam abgepresst und der Wein in 225-Liter-Barriques französischer Herkunft über zwei Winter hinweg ausgebaut. So ist ein Wein entstanden, der zum Dahinschmelzen schön und außergewöhnlich geworden ist. Es ist ein „Orangewine“, der diese Bezeichnung nicht nur der Machart nach, sondern auch seiner Farbe wegen verdient. Er duftet intensiv nach Salzkaramell und ein wenig nach Marzipan, nach Orangen samt Schalen, nach gebackenem Apfel und Quitten, nach Stein und Erde. Er hat einen minimalen Hauch von unreifer Walnuss, wie man es vom Sherry her kennt. Was sich in der Nase schon so komplex präsentiert, wird am Gaumen noch unterstrichen von einer faszinierend seidigen Textur, einer unglaublich präsenten Säure, die man im Duft so nie erwartet hätte, und einer Eleganz, die sich ebenfalls in dieser Form erst am Gaumen zeigt. Auch hier findet sich Salzkaramell und Gebackenes, doch gibt es am Gaumen keinerlei Süße. Der „Thousand Mils“ ist knochentrocken durchgegoren. Und nicht einmal der Alkohol – 13 Volumenprozent – steuert Süße bei. Es ist eher der Effekt der Maischevergärung, der diesen Eindruck erzeugt. Darüber hinaus besitzt der Weißwein immens viel Kraft und hat eine absolut stimmige Gerbstoffstruktur. Im Finale dominiert dann das Salzige, das Mineralisch-Frische und Lebendige. Das ist großartig, das ist Traumstoff! Zu genießen ist dieser Wein sofort. Ein Dekantieren ist allerdings sinnvoll. Der Wein hat gehöriges Potenzial, sicherlich weit über 2030 hinaus. 97

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