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PINwand Nr. 322

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Weinmailing Ausgabe April 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

SPANIEN KATALONIEN

SPANIEN KATALONIEN Recaredo „INTENS“ ROSAT BRUT NAT. CORPINNAT, ROSADO 2017 (BIO) Macht seinem Namen alle Ehre: wunderbar intensiver „espumoso“! SCO010217 „Intens“ Rosat Brut Nature Corpinnat, rosado 2017 12% Vol. 39,86 €/l 29,90 € ES-ECO-019-CT Wie bei mittlerweile allen Weinen von Recaredo ist die „Hispanifizierung“ oder „Entfranzösisierung“ der Bestandteile der jeweiligen Cuvées entscheidend fortgeschritten bzw. abgeschlossen. Der roséfarbene „Intens“ muss seit dem 2014er-Jahrgang auf jegliche Pinot-Noir-Gabe verzichten, da Recaredo damals sämtliche Burgunder-Reben ausreißen und durch andere, in jedem Fall historische oder zumindest „testimoniale“ Rebsorten ersetzen ließ. Wie schon im Vorjahr machte es dem Winzer ein vergleichsweise warmes Jahr (ein ziemlich launischer, vor allem im Juni ziemlich heißer und trockener Sommer, der immerhin von Frühlings- und Herbstregen flankiert wurde) nicht eben einfach. Doch der Cuvée aus 87 % Monastrell und 13 % Garnacha scheint das nichts anhaben zu können, denn der „Intens“ macht seinem Namen in mehrfacher Hinsicht alle Ehre! Im ersten Augenblick (und den folgenden auch) gibt sich Recaredos Rosé geradezu kompromisslos: ungeheuer dicht, dabei enorm energetisch, würzig bis fast Umami. Unter dem rezenten Hefeschleier dann rote Äpfel, rote Johannisbeeren, Kräuternoten und eine fast „fleischige“, leicht pfeffrige Anmutung. Am Gaumen nun mehr dunkle Beerenfrucht (neben Schwarzjohannisbeeren auch Brom- und Blaubeeren), die allerdings von einer gewissen Herbheit „illuminiert“ werden – Orangenzesten und eine hübsches Quantum saftiger Pink Grapefruit mit entsprechend animierendem Bitter. Mit etwas mehr Luft verschiebt sich das aromatische Geschehen Würze hin, auch wenn sich die Jugendlichkeit des „Intens“ immer wieder eine bei aller Frucht knochentrockene, dabei im besten Sinne „saftige“ Bahn bricht. Als Apéritif ist dieses Corpinnat-Faszinosum möglicherweise (noch) zu kraftvoll, brilliert aber sicherlich als Speisenbegleiter in fast jeder Umgebung – BBQ versteht sich von selbst, aber auch kompliziertere asiatische Gerichte, etwa Phô, meistert er mit Leichtigkeit. Grande! Ab sofort, ideal wohl ab 2022, dann bis 2026+. „SUBTIL“ BRUT NATURE CORPINNAT, BLANCO 2016 (BIO) Subtile Meisterschaft im Zeichen des Xarel·lo SCO010316 „Subtil“ Brut Nature Corpinnat, blanco 2016 11,5% Vol. 53,20 €/l 39,90 € ES-ECO-019-CT Kaum ein Wein des Recaredo-Portfolios verdeutlicht so eindrucksvoll wie der „Subtil“ (mit dem Zusatz „Vinyes del Roure“) die Tatsache, dass es für Familie Mata offensichtlich kein in Stein gemeißeltes, ja noch nicht einmal eine verbindliche Formel für „große Weine“, in diesem Fall eine „Gran Reserva“ nach Cava-Nomenklatur gibt. Aber werfen wir doch einen Blick auf die Entwicklung des „Subtil“ und seiner Rezeptur: Vor zehn Jahren bestand die Cuvée aus Xarel·lo, Parellada, Macabeu und 12 % Chardonnay, ein Jahr später dann 62 % Xarel·lo, 30 % Chardonnay und 8 % Macabeu, im darauffolgenden Jahr (2008) kommt kein Macabeu mehr zum Einsatz, jetzt sind es 71 % Xarel·lo und 29 % Chardonnay, im letzten Jahrgang der ersten 2000er- Dekade sinkt der Xarel·lo-Anteil auf 67 %, während der Chardonnay nun ein Drittel der Mischung (33 %) ausmacht. Der nächste „Subtil“-Vintage erhöht den Chardonnay-Anteil um einen Prozentpunkt, um dann 2013 (2012 wurde wie 2010 auch ausgelassen) wieder 6 % Macabeu ins Spiel zu bringen, zusammen mit 30 % Chardonnay und 64 % Xarel·lo. 2015 dann der große Schritt hin zum Xarel·lo, der nun, wie dann auch im aktuellen Jahrgang 2016, seinen ersten solistischen Auftritt hat. Fast noch bemerkenswerter als dieser letztlich nur konsequente Schritt hin zu den autochthonen Rebsorten, die gerade mit Blick auf einen möglichst individuellen, unverwechselbaren Schaumwein (auch wenn er möglicherweise eher „romantisch“ legitimiert ist – die ersten Weine, die hier nach „método champañés“ produziert wurden, bestanden aus Chardonnay und Pinot Noir) quasi „einschlägig“ sind, dürfte die doch zuweilen recht unterschiedlich Länge des Hefelager sein, das zwischen 38 Monaten für den 2016er (Degorgierdatum unserer Allokation: 21. Dezember 2020) und ganzen 80 Monaten für den 2008er reichen kann. Eine zweifellos gelungene Kursänderung, auch wenn wir das längere Hefelager etwas vermissen (beim 2015er waren es immerhin noch 47 Monate …), denn nun kann man sich ganz auf den Xarel·lo konzentrieren, der gerade ohne „Chardonnay“-Stütze seinen ganzen Charme ausspielen kann – wobei der „Subtil“ seinem Namen alle Ehre macht: zarteste Anisnoten und weiße Blüten im Duft, dazu animierend junge, rezente Hefe, grüne Äpfel bis hin zu honiggetönter Tarte Tatin, am Gaumen die „Hausmarke“, eine traumhaft ausbalancierte Kombination von präsenter, zitrischaromatischer Säure und seidiger Textur. Herrlich langes, ungemein erfrischendes Finish! Ab sofort bis 2026+. 90 PINWAND °322 | April 2021

Recaredo KATALONIEN SPANIEN „SERRAL DEL VELL“ BRUT NAT. CORPINNAT, BLANCO 2014 (BIO) Paradise Lost oder vom Zauber eines besonderen Weinbergs SCO010414 „Serral del Vell“ Brut Nature Corpinnat, blanco 2014 11,5% Vol. 58,53 €/l 43,90 € ES-ECO-019-CT Recaredos „Serral del Vell“ ist neben dem „Turó d’en Mota“ der zweite Schaumwein aus einem „Paraje Calificado“, also einer spezifischen Lage (mit speziellen Kriterien), der 2017 neu eingeführten Spitzenkategorie der D. O. Cava, um das (Ultra-)Premiumsegment der „vinos espumosos“ aus Spanien neu zu kodifizieren. Seit sich allerdings eine Gruppe einigermaßen widerständiger, in vielerlei Belangen vom consejo regulador, dem Kontrollgremium der D. O., einigermaßen enttäuschten „Cava“-Winzer 2018 zu einer Kollektivmarke zusammengefunden haben und nach einigem Hin und Her komplett aus besagter D. O. ausgetreten sind, sind auch wie von Geisterhand jene parajes auf der offiziellen Webseite getilgt – ein klarer Fall von „Paradise Lost“, denn ausgerechnet „Serral del Vell“ ist Teil einer Finca von bemerkenswerter Schönheit, die sich auf einem kleinen Plateau („serral“), das über dem Tal durch das sich der Fluss Bitlles windet erhebt und aus Terrassen von beträchtlicher Größe mit sehr sanfter Neigung besteht. Auf den recht kalkhaltigen, mit Kieseln durchsetzten Böden wurzeln Xarel·lo- und Macabeu-Reben, die die rechte feuchte erste Jahreshälfte 2014 vergleichsweise bravourös gemeistert haben. Das Mischungsverhältnis für die Cuvée „Serral del Vell“, die bis 2007 auf dem Etikett etwas weniger spezifisch als „Brut de Brut“ und „Brut Nature Gran Reserva“ ausgewiesen wurde beträgt 56 % Xarel·lo und 44 % Macabeu (Degorgierdatum unserer Allokation: 1. Dezember 2020, Hefelager: 68 Monate). Der noch enorm jugendlich wirkende Corpinnat-espumoso zeigt sich anfangs von einer eher zurückhaltenden Seite, ein nicht zu kleines Glas und ein wenig Geduld bewirken dann aber den gewünschten Effekt: In der Nase eine gleicher-maßen tiefgründige wie „obenauf“ zitrisch getönte Mineralität (kühler, pudriger Kalk, feuchte Kreide), lemon curd, eine komplexe Mischung von Minz-, Kampher- und zarten Anisnoten, dazu nicht zu reifer Apfel, gelbe Steinfrüchte und ein eleganter Honig-Hefe-Zweiklang. Am Gaumen ungleich strenger, straffer, dabei mit famosem Trinkfluss qua Wechselspiel von animierender Säure und wunderbar elegant-cremiger Textur – wir bitten höflich aber bestimmt um ein zweites Glas! Ab sofort bis 2028+. Der sogenannte Remueur rüttelt die Schaumweinflaschen von Hand © MarÇal Font 91

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