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PINwand Nr. 322

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Weinmailing Ausgabe April 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

SPANIEN KATALONIEN

SPANIEN KATALONIEN Recaredo Die ewige Wiederkehr des Wahren, Schönen Ab 1990 holen die Brüder Josep und Antoni die dritte Generation mit ins Boot. Erfahrung und Wissen der alten Hasen, nun gepaart mit dem Wissensdurst, den neuen Ideen und der Schaffenskraft einer jungen Garde, die sich anschickt die Schaumweinwelt zu „revolutionieren“ – das hat bei Recaredo schon einmal sehr gut funktioniert, gilt daher von jeher als Modus Operandi. In den Augen der Familie Mata ist Recaredos Entwicklung hin zu einer ab 2006 konsequent biodynamischen Bewirtschaftung der logische Schritt: „Um voran zu kommen, treten wir einen Schritt zurück, beobachten und hören der Natur zu, um Antworten zu finden.“ Der Verzicht auf chemische Düngemittel, Herbizide oder Fungizide erhöht zunächst das Risiko und mindert die Erträge – für Recaredo exisitiert allerdings keine gangbare Alternative „Es gibt keine Weine mit der Essenz der Landschaft, wenn wir uns nicht um die Landschaft selbst kümmern und diese respektieren.“ Und nichts fängt diese Essenz besser ein als ein originärer, völlig individueller Lagenwein wie der „Turó d’en Mota“ aus der letzten Lese des alten Jahrtausends (1999), einer singulären Lage (gleichen Namens) und einer einzigen Rebsorte (Xarel·lo). Zumal, wenn bei diesem Wein die „crianza“ (wörtlich: „Erziehung“) ein gerütteltes Maß an Aufmerksamkeit und Zeit inklusive eines 100-monatigen Hefelagers beinhaltet. Totale Kontrolle Aktuell bewirtschaftet Recaredo 65 Hektar Rebfläche, seit 2010 gehören sämtliche Lage der Familie Mata. Stolz nennt man sich „récoltant-manipulant“ wie die Kollegen aus der Champagne, die nur eigene Trauben verarbeiten, was weder in Frankreich noch Spanien alltäglich ist. Aber nur so lässt sich langfristig höchste Qualität gewährleisten. Sämtliche Weine sind „Vintages“, zudem allesamt Brut Nature – auf das Korrektiv „Dosage“ wird bewusst verzichtet! Ein weiteres entscheidendes Qualitätskriterium bei Recaredo ist zudem die außergewöhnlich lange Flaschenreife die jeder Schaumwein des Hauses durchläuft. Mit einem absoluten Minimum von 30 Monaten Hefelager erfüllen selbst die „kleinsten“ Weine die Vorgaben für eine Gran Reserva nach der Klassifikationpyramide der D. O. Cava – der Recaredo 2018 allerdings den Rücken gekehrt und sich mit gleichgesinnten eine neue Heimat geschaffen hat: „Corpinnat!“ Kurze Geschichte von Schaum und Perlenspiel Was in Spanien in den 1840-ern noch zögerlich perlte, nahm spätestens ab 1872 seinen sprudelnden Lauf, als in Sant Sadurní d’Anoia, dem katalanischen Äquivalent zu Épernay, Josep Raventós erstmals spanischen Schaumwein (Marke: Codorníu) in entsprechenden Mengen produzierte, damals noch auf Basis klassischer Champagnertrauben wie Chardonnay und Pinot Noir (heute beflügeln vor allem Xarel·lo, Parellada und Macabeo diese Schaumweine), natürlich als „champán“ und nach „método champañés“. 1957 allerdings beanspruchte Frankreich das alleinige Namens- und Verwendungsrecht für „Champagner“ ebenso wie die „Methode“ für sich – der „Vino de Cava“, seit dem 1. September 1994 nach „método tradicional“, wurde aus der Taufe gehoben, Rufname: „Cava“. Die Benamsung ist an Fantasielosigkeit kaum zu übertreffen – cava, weil Wein aus einem unterirdischen Keller, der im Spanischen (man glaubt’s kaum) cava heißt. Seit diesem Neuanfang hat sich viel getan. Es musste sich auch viel tun, denn trotz der immensen Beliebtheit, der sich die Schaumweine mengenmäßig vor allem im Ausland erfreuten, verließen 2012 und 2014 insgesamt 15 wichtige, von den Qualitätsanforderungen des Verbands und seiner Kontrolle enttäuschte Erzeuger die D.O. Cava. Der Exodus war damit aber noch nicht beendet: In einer dritten „Eskalationsstufe“ kehrten dann weitere sechs Top-Produzenten der Dachmarke den Rücken, mittlerweile sind es zehn Betriebe, die sich als „Corpinnat“ („Herz des Penedès“) neu positioniert haben und mit ihren kontrolliert biologisch oder biodynamisch produzierten Schäumern (reine Handlese eigenen Traubenmaterials, Ertragsreduzierung, längere Flaschenreifung) eine Qualität auf die Flasche bringen, die man nur bejubeln kann. Für den Konsumenten ist diese neue Weinmarke ein Glücksfall. Recaredo, Gramona, Llopart, Sabaté i Coca, Nadal, Torelló, Huguet-Can Feixes, Júlia Bernet, Mas Candí und Can Descregut – zehn Namen, die man sich merken kann, Corpinnat der, den man sich unbedingt merken sollte! Mittlerweile gilt für die D. O. Cava, deren Mitglieder in insgesamt 160 Gemeinden der Provinzen Valencia, Navarra, Extremadura, Aragón und Burgos Schaumwein produzieren, ein neues Regelwerk, das im Juli 2019 einstimmig angenommen wurde – man darf hoffen, dass man sich nun vor allem der Probleme im Basisbereich annimmt, denn noch immer finden sich Schaumweine mit D. O.-Siegel zu empörenden Dumpingpreisen (zwei Euro und weniger sind keine Seltenheit) am Markt. Angesichts der neuen Top-Kategorie „Cava de Paraje Calificado“ ein mittlerer Skandal … Nimmermüde und rastlos Wer glaubt, dass man bei Recaredo nach einer nahezu 100-jährigen Geschichte und konsequenten Weiterentwicklung am Kulminationspunkt angekommen sei und fortan innehielte, irrt gewaltig! Selbst kleinste Details werden überdacht und im Sinne des eigenen Credos überdacht. So besteht etwa die tirage (der Starter für die zweite Gärung) nicht mehr wie allgemein üblich aus dem Cocktail Hefe und Zucker, sondern nunmehr aus wilden Hefen aus den eigenen Weinberge und süßem Most – natürlich ebenfalls aus eigenen Trauben. Quasi beiläufig erfüllt Recaredo zudem die strengen Demeter-Auflagen, da dies nicht als zusätzliche oder gar lästige Pflichtaufgabe, sondern vielmehr als notwendiger Schritt auf dem Weg zu einem besonderen Wein angesehen wird. Recaredo – schon aus Prinzip! Land, Leben, Zeit und Identität sind die Grundpfeiler der Betriebsphilosophie. Bei Recaredo besteht eine tiefe Verbundenheit zum heimischen Grund und Boden. Das Terroir des Alto Penedés ist für Charakter und Güte der Weine fundamental. Generationsübergreifend versteht man sich bei Recaredo als „artisans of the land“ und Verbündete der Natur, Habitat und Umwelt. Es sind echte „slow wines“, von Hand gerüttelt, ultralange gereift und von Hand warm degorgiert. Recaredos Identität dient als Gradmesser, Triebfeder und Spiegel für den Blick in die Vergangenheit und eine erfolgreiche Zukunft. 88 PINWAND °322 | April 2021

Massolino Recaredo KATALONIEN PIEMONT SPANIEN ITALIEN © MarÇal Font „TERRERS“ BRUT NATURE CORPINNAT, BLANCO 2017 (BIO) Tiefe und Transparenz – Helligkeit und Frische! SCO010117 „Terrers“ Brut Nature Corpinnat, blanco 2017 12% Vol. 34,60 €/l 25,95 € ES-ECO-019-CT Recaredos „Terrers“ dürfte der famoseste Basiswein eines Schaumweinerzeugers der „Península ibérica“ sein, ach was, ist es – denn uns fällt auf Anhieb nichts besseres ein. Und auch nach längerem Überlegen (einen ausgiebigen Blick auf die nicht allzu lange Liste der Corpinnat-Mitstreiter und ihre vorzüglichen espumosos eingeschlossen) findet sich keine Referenz, die wir lieber im Glase sähen als eben den „Terrers“, eine formidable Mischung aus der Trauben-Trinitas Xarel·lo (57 %), Parellada (37 %) und Macabeu (6 %), die für 35 Monate auf der Hefe reifte (Degorgierdatum unserer Allokation: 16. Dezember 2020) und nach der gültigen Cava-Nomenklatur einer Gran Reserva entspräche. Wenn, ja wenn Recaredo als Angehörige der Kollektiv-Marke Corpinnat die D. O. Cava nicht nach diversen unbefriedigenden Verhandlungen verlassen hätte, wie vor ihnen schon eine Gruppe von Erzeugern, die als „Classic Penedès“ einen deutlich Terroir-fokussierten Weg gehen wollte und dem möglicherweise zu unentschiedenen, möglicherweise zu unbeweglichen, möglicherweise aber auch einfach beratungsresistenten consejo regulador den Rücken kehrte. Immerhin hat dieser Exodus wohl für ein Aufwachen und Einsehen gesorgt, und den Mitglieder der D. O. Cava könnte ein Licht am Ende eines langen, dunklen Tunnels leuchten … – warten wir’s ab, wenn möglich mit einem oder mehreren Gläsern „Terrers“, der uns so verführerisch entgegenmoussiert! Ein kraftvoller Wein (man sollte sich das immer wieder gedanklich klarmachen – auch Schaumweine sind genau das: Weine!), voller Eleganz und Größe. Bei Recaredo firmiert er unter dem Rubrum „Tiefe und Transparenz – Helligkeit und Frische“, was wir nur bestätigen können und um „Stille Größe – kraftvolle Ruhe“ ergänzen würden. Im Glas changiert der „Terrers“ zunächst zwischen den Polen Frucht, Gebäck und Stein, um dann nach und nach immer mehr Facetten („Tiefe und Transparenz“!) zu offenbaren. Im Duft zunächst ausdrucksvolle Frucht, die von einem zarten Hefeschleier umweht wird: Apfelnoten, eine Spur Quitte, dann – säuerlicher, duftiger – Aprikosen, eine Spur Salzkaramell von dem nach einem Wimpernschlag nur salzige Gischt und feuchter, im Sonnenlicht trocknender Stein zurückbleibt, im Gefolge eine feine Anisnote, die sich gen Fenchel und Orange (nebst Schale) hin auflöst. Und spätestens am Gaumen dann die Offenbarung, die sich in Form von „Helligkeit und Frische“ einstellt. Hell, weil uns sonnengereifte Früchte (Agrumen, dazu Mirabellen, wieder Quitte) begegnen, die uns in Verbindung mit einer so eleganten wie langgeschwungen präzisen Säureader einen Trinkfluss bescheren, den nur ein kühler Gebirgsbach (den durstigen Pilger auf dem Weg nach Montserrat denken wir uns) überträfe! „Terrers“ – Corpinnat-Coup-de Cœur für mehr Begeisterungsstürme im Leben! Ab sofort und bis sicherlich 2025+. 89

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