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PINwand Nr. 322

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Weinmailing Ausgabe April 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

SPANIEN KATALONIEN

SPANIEN KATALONIEN Recaredo SANT SADURNÍ D’ANOIA Königsklasse des Schaumweinhandwerks: das Warmdégorgieren der auf der Hefe gereiften „espumosos“. Recaredo: Schaumweine so komplex und schön wie die Sagrada Família Referenzklasse Recaredo Über viele Jahre hatten wir nicht einen einzigen spanischen Schaumwein mit traditioneller Flaschengärung im Programm. Vermisst hat ihn kaum jemand, zu ramponiert scheint das Image der Schäumer von der Iberischen Halbinsel, was sicherlich mehrere Gründe hat: Die Cavas der Riesen Freixenet und Codorníu, vor allem deren Zweit- und Drittmarken, haben sich in einem „Preis- und Qualitätslimbus“ eingerichtet. Selbst Produzenten, die nach echter Qualität streben, sind in diesem Sog gefangen, den die ewigen Rivalen Freixenet (seit März 2018 übrigens Teil der Henkell & Co. Sektkellerei-Gruppe – honni soit qui mal y pense!) und Codorníu entfacht haben. Eine gesunde Preisentwicklung hat seit einer gefühlten Ewigkeit nicht stattgefunden, vielen, nicht nur kleinen Häusern wird das Überleben beträchtlich erschwert. Keine rosigen Aussichten für einen traditionellen Weinstil der dennoch seine absolute Berechtigung hat. Selbst auf der Suche vor Ort nach „vino espumoso“ wird man seitens der dortigen Weinszene bisweilen mit Kopfschütteln bedacht. Aber ein Name fällt dann doch immer wieder: Recaredo – absolute Referenz unter Spaniens Schaumweinerzeugern und unbedingt und ohne jeden Zweifel einer der besten der Welt! 86 PINWAND °322 | April 2021

Recaredo KATALONIEN SPANIEN neu in unserem Programm! Mit Hacke und Schaufel Im Jahr 1924 legte Josep Mata Capellades den Grundstein für jenes Haus, das wir heute als „Recaredo“ kennen und das seit 1944 den Namen von Joseps Vater, Recaredo Mata Figueres, trägt. Der gelernte Degorgier-Meister („maestro del degüelle“) und Weinmacher Josep erbaute unter seinem Haus inmitten des historischen Kerns der Stadt Sant Sadurní d’Anoia seine „cavas“, jene Kellner in denen die traditionellen Schaumweine entstehen und reifen. Josep lässt sich kaum wirklich fassen und in eine Schublade stecken, er war Arbeiter, Gründer, Pionier, Modernist und Traditionalist gleichermaßen. In den 1940ern Jahren ist er zusammen mit Josep Mestres der Erste, der seine Weine ohne Süßreserve degorgiert, also ausschließlich Brut Nature produziert (das Patent darauf allerdings sicherte sich Mestres 1948 mit seinem „Visol“). In dieser Zeitraum widmet er sich – ganz Pionier – dem Ausbau seiner Grundweine in Barriques. Zudem legte er den Fokus auf eine außerordentlich lange Flaschenreife sowie auf die autochthone Rebsorte Xarel·lo als Protagonistin. Das Fundament für Recaredos eigenen Weg und Stil war geschaffen. Bewahrer des Kunsthandwerks © MarÇal Font Den einfachen Weg hat man bei Recaredo nie gewählt. Nach politisch wie wirtschaftlich schwierigen Phasen erlag Josep nicht dem Industrialisierungswahn. Ihm war es nicht um Effizienz zu tun, sondern um kompromisslose Qualität und eigene Identität – damals wie heute die übergeordneten Ziele. Als in den 1950ern Kronkorken allerorten die Naturkorken bei der Schaumweinherstellung ablösten, verweigerte sich Recaredo dem allgemeinen Trend und hielt dem Naturprodukt die Treue. Bis heute werden wie in der Anfangszeit sämtliche Flaschen handgerüttelt und natürlich bzw. warm degorgiert (dégorgement à la volée, und nicht wie heute üblich mittels Kältebad). Generationenübergreifendes Wirken Von der Zeit lernen … Geschichte fortschreiben „Aprenem del temps … seguim una història“ – dieser Satz findet sich auf der Homepage von Recaredo. Ein Satz der treffend den Charakter und die eigene Philosophie einfängt ohne viele Worte zu verlieren. Weder zählt Recaredo seit Urzeiten zur spanischen Weinprominenz wie etwa die Güter R. López de Heredia Viña Tondonia, Vega Sicilia oder Marqués de Murrieta, noch zu den „Kometen“ der letzten Dekaden wie Álvaro Palacios, Telmo Rodríguez, Peter Sisseck oder Raúl Pérez. Die Entwicklung bei Recaredo war ein sehr langer, stetiger Prozess der vor fast 100 Jahren seinen Anfang nahm und noch immer nicht vollständig abschlossen ist. Joseps Söhne Josep und Antonio Mata sind die „Macher“ der zweiten Generation bei „Can Credo“, wie Recaredo liebevoll im familiären Kreis genannt wird. Viele Jahre arbeiten sie an der Seite ihres Vaters und treffen gemeinsam Entscheidungen. Als Triumvirat erschaffen sie im Jahr 1962 Recaredos „Reserva Particular“. Bis heute gilt dieser Wein als Insignie des Hauses, ein puristischer Herkunftswein, der wie keiner vor ihm, die kalkhaltigen Lagen des Alto Penedés mitsamt der alten Xarel·lo- und Macabeo-Reben interpretiert. Eine Hommage und allzeit gültiges, immerwährendes Versprechen an das heimische Terroir, dem sich Josep und Antonio verpflichtet fühlen. Ab 1975 leiten die beiden alleinverantwortlich die Geschicke bei Recaredo, unter ihrer Ägide wird den eigenen Weinbergen, Grundvoraussetzung und essenzielles Element ihrer Arbeit, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es hat den Anschein, als entdeckte die Weinwelt erstmals den Kosmos der Winzer- oder Herkunftsschaumweine für sich. 87

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