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PINwand Nr. 322

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Weinmailing Ausgabe April 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

SPANIEN CASTILIA Y LEÓN

SPANIEN CASTILIA Y LEÓN García ESMERALDA GARCÍA SANTIUSTE (SEGOVIA) neu in unserem Programm! © Esmeralda García 82 PINWAND °322 | April 2021

García CASTILIA Y LEÓN SPANIEN Esmeralda García – oder über den Umgang mit einem historischen Erbe Nur sehr selten ist Unwissenheit von Vorteil. Und hier haben wir einen dieser seltenen Fälle – let’s talk about … Verdejo! Sie kennen Verdejo? Dann vergessen Sie ganz schnell alles, was Sie bis dato darüber wussten! Zwischen den am Markt allzu häufig anzutreffenden lendenlahmen, dünnlichen „Verdejo-Sommerweinen“ oder der mit Sauvignon- Blanc-Zugabe und/oder furiosem Holzeinsatz „aufgemaschelten“ Variante aus der Appellation Rueda und Esmeralda Garcías Interpretation, die sie als simplen Landwein deklariert, liegen nicht nur Welten, sondern ganze Galaxien. Und trotzdem muss sie in ihrem Heimatort nur über die Straße gehen, um anzuecken – das Unverständnis ihrer Winzerkollegen ist ihr gewiss … In Santiuste de San Juan Bautista, ein Ort mit gerade einmal 500 Seelen, nordwestlich der Provinzhauptstadt Segovia gelegen, offenbaren sich auf engem Terrain verschiedenste „Weinweltanschauungen“ – Esmeralda kennt die Extreme und vieles von dem, was dazwischen liegt. Sie wird in Segovia geboren, wächst in besagtem Santiuste im Kreise der Großfamilie auf. Mir ihren ersten Schritten beginnen die Entdeckungstouren in die bald immer vertrautere Umgebung, möglicherweise das „Samenkorn“ im kindlichen Unterbewusstsein, aus dem das spätere immens wichtige Verstehen und Begreifen des Terroirs erwächst. Mit Freunden spielt sie nicht selten von Sonnenaufbis Sonnenuntergang in den angrenzenden Pinienwäldern, ihr Großvater Boni bringt ihr das Fahrradfahren inmitten der Lage „Carrascal“ bei, eine jener Lagen, die sie heute selbst bewirtschaftet. Ihr Großvater ist es auch, der Esmeralda früh den besonderen Wert der Lage „Las Miñañas“ vermittelt. Heute ist das Esmeraldas „Grand Cru“, das Alpha zum Omega ihres sicherlich elegantesten und komplexesten Weins. Großvater Boni war denn auch der wichtigste Mentor seiner Enkelin, früh erkannte er Esmeraldas Feingefühl im Umgang mit den Reben. Der abuelo hütete seinen Reben wie einen ganz besonderen Schatz, nur wenige Personen durften überhaupt Hand an die Stöcke legen. Als die kleine Esmeralda das erste Mal beim Rebschnitt mithelfen durfte, konnte es ihre Großmama kaum glauben – und so schien Esmeraldas Weg schon sehr früh vorgezeichnet. Sie ließ sich zunächst zur Analysetechnikerin (Fachgebiet Mikrobiologie) ausbilden, um sich dann auf Önologie und Weinbau sowie Lebensmittelqualität und -sicherheit zu spezialisieren. Im Anschluss sammelte sie erste Erfahrungen bei diversen Weingütern auf der iberischen Halbinsel, errang 2012 en passant die wichtigste Sommelier-Trophäe Spaniens (in der Kategorie „Amateure“), La Nariz de Oro („die goldene Nase“) und übernahm im folgenden Jahr die Weinberge ihres Großvaters. „Freie, transparente und unbeschwerte Weine“ möchte Esmeralda hier machen, so frei und unbeschwert wie ihre eigene gelebte und geliebte Kindheit. Ihr Faustpfand sind 5,5 Hektar uralte wurzelechte Reben, das Erbe ihrer Familie. Die jüngsten ihrer Stöcke sind inzwischen schon 130 Jahre, die ältesten Reben sogar bis zu 220 Jahre alt und wurzeln tief im Kalksandstein. Das Klima südlich des Duero ist im besten Sinne „kernig“. Die Weinberge befinden sich auf 800 bis 890 Metern Höhe und trotzen allen Widrigkeiten nach Kräften. Ein Sommer ist hier kurz, dafür aber umso heißer, was den alten Reben – die Erträge liegen in guten Jahren bei 3.000 Kilogramm Trauben pro Hektar, 1.500 sind allerdings auch keine Seltenheit – nichts bzw. nicht sonderlich viel auszumachen scheint, etwaigen Trockenstress „managen“ sie aufgrund der zum Teil beträchtlichen Länge ihrer Wurzeln geradezu meisterhaft. Und auch den zum Teil beträchtlichen Unterschied zwischen Tages- und Nachttemperaturen (gerne bis 25 °C!) fangen sie wunderbar auf, denn paradoxerweise fördert eine derartige Temperaturamplitude eine maßvolle Reife und damit natürlich auch die Balance von Alkohol und Säure im Wein. Im Weinberg kommen weder Herbizide, Pestizide noch Fungizide zum Einsatz, es wird nicht bewässert, und synthetische Dünger sind absolut tabu. Sie setzt auf naturnahe, vorausschauende, vorsichtig lenkende Arbeit – so wie schon Generationen vor ihr, lange vor den vermeintlichen Wohltaten des technischen Fortschritts und der damit einhergehenden „Aufrüstung“. Ähnlich „spartanisch“ verhält es sich mit Esmeraldas Kellerwirtschaft. Konsequenterweise verzichtet sie auch hier auf ein Übermaß an Technik und selbstverständlich auch jegliche Additive, jene Zusatzstoffe, über die die wenigsten Winzer gerne sprechen. Es bedarf nur der natürlichen Hefen zur Gärung, die Weine durchlaufen je nach Parzelle und Charakter einen Ausbau in Edelstahl, Amphore, bota (das typische, 500- bis 600-Liter-Sherryfass) oder cuarta (kleines Sherryfass), werden weder gefiltert noch geschwefelt. Raw, natural, hip und trendy könnte man jetzt einwerfen. Allerdings ist Esmeralda Garcías Schaffen das Gegenteil von modisch oder gar zeitgeistig. Seit 20 Jahren ist die noch immer unglaublich jugendlich wirkende Winzerin im Business, sehr bewusst hat sie sich für diesen mühseligen, wunderschönen Weg des Weinmachens entschieden. Sie ist Teil dieser einzigartigen Landschaft, im besten Sinne demütig und sehr verantwortungsvoll im Umgang mit ihrem historischen Erbe, den über 200-jährigen Reben, die ihre Familie schon über Generationen begleiten. 83

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