Aufrufe
vor 7 Monaten

PINwand Nr 318

  • Text
  • Online
  • Rotwein
  • Weinfachhandel
  • Winetasting
  • Wine
  • Weinverkostung
  • Weinhandel
  • Pinwand
  • Weine
  • Wein
Weinmailing Ausgabe Januar 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinfachhandel und Weinversender

FRANKREICH ROUSSILLON

FRANKREICH ROUSSILLON Gauby 92 Punkte REVUE DU VIN DE FRANCE © Marc Ginot VIEILLES VIGNES IGP CÔTES CATALANES, BLANC 2018 Roussillon-Rarissimum, einer der größten Weißweine der Region FRO010318 Vieilles Vignes, I.G.P. Côtes Catalanes, BLANC 2018 12% Vol. 43,86 €/l 32,90 € FR-BIO-10 Immer wieder sind wir, angesichts dieses Weins von Lionel Gauby, an „Die drei Musketiere“ erinnert, die nur zu viert „komplett“ sind: Die Geschichte von Athos (Roc d’Anglade), Porthos (Grange des Pères) und Aramis (Trévallon) nimmt in dem Moment Fahrt auf, in dem der junge d’Artagnan (Gauby) auf sie trifft. Nicht etwa, dass sich Lionel ursprünglich mit seinen Kollegen hätte duellieren wollen, die Geschichte seiner Weine ist allerdings mindestens eine Roman-Trilogie wert. Brüder im Geiste und im Wein sind sie alle, aber der junge Fechter, mit dem man sich so liebend gerne identifiziert, ist einfach der Held der Geschichte. Und unser Held hat, so die Wirklichkeit im Glas, mit seinem „Vielles Vignes“ – die alten Reben, die auf dem schlichten Etikett Erwähnung finden, sind zwischen 60 und 110 Jahre alt! – einen der spannendsten Weißweine Südfrankreichs auf Flaschen gezogen. Für diesen Wein wurde in der Vergangenheit zumeist Macabeu mit etwas Grenache Blanc, Carignan Blanc, Grenache Gris und Chardonnay verschnitten. Mit dem 2017er baute man erstmals auf solistisch eingesetzten Macabeu, der im aktuellen Jahrgang mit 10 % Grenache Blanc angereichert wurde. Der Wein lag etwa acht Monate auf der Hefe, um dann in alten Fuderfässern (80 %) und neuen 500-Liter-Barriques (20 %) ausgebaut zu werden. Der „Vielles Vignes“ wird ohne Schönung oder Filtration abgefüllt und liegt noch einmal 6 Monate auf der Flasche, bevor er auf den Markt kommt. Und die Zeit braucht er, man dürfte aber durchaus noch etwas mehr davon gönnen. Im voluminöseren Glas entwickelt sich nach einer guten halben Stunde allerdings schon ganz phänomenal, es ist, als sähe man dem Aufblühen einer Blume im Zeitraffer zu: Anfangs zart reduktive Noten, die sich aber (in der Phase besagten Aufblühens) gen Rauch, Zitrus- und leichten Lakritznoten hin verwandeln. Dazu ein „weicher“ Hefeton, Akazienblüten (bis fast Honig), Anis (und ein Hauch Fenchelgrün) eine Melange von Pfirsich und Birnen sowie leise Röstnoten (Sesam). Am Gaumen herrlich kristallin, zitrisch, dabei von (immer schlanker) Cremigkeit und bemerkenswerter Dichte, eine griffige, unglaublich fein „gemaserte“ (um nicht zu sagen: gemeißelte) Mineralität mit schönem grip . In der Vergangenheit schien uns der Wein strukturell häufig mit einem kraftvollen Meursault vergleichbar, und in diesem Jahr macht der „VV“ keine Ausnahme, wirkt allerdings noch komplexer, noch „geheimnisvoller“. Druckvolles Finish (Frucht und Würze des Macabeu dabei wunderbar beschwingt), sehr langer, animierend salzig-zitrischer Nachhall mit zartem Walnussbitter – traumhaft! Ab sofort – mit viel Luft, im großen Glas und nicht kühl – ein Genuss. Oder warten Sie noch ein Jahr (oder zwei) und erfreuen sich bis 2031+ an einem der schönsten Weißweine des Roussillon. 32 PINWAND °318 | Januar 2021

Gauby ROUSSILLON FRANKREICH „COUME GINESTE“ IGP CÔTES CATALANES, BLANC 2018 „Coume Gineste“: Gesamtkunstwerk von uralten Grenache-Reben auf Grand-Cru-Niveau – Kultwein! FRO010418 „Coume Gineste“, V.d.P. des Côtes Catalanes, blanc 2018 13% Vol. 105,33 €/l 79,00 € FR-BIO-10 „Coume Gineste“ vervollständigt das Trio der großen Lagenweine Gaubys (die anderen beiden sind „Muntada“ und „La Roque“), die man ganz unbedenklich zu den größten, bemerkenswertesten Weinen des Roussillon zählen darf . Bei der weißen Version des „Coume Gineste“ (der Name aus dem Katalanischen lässt sich mit „Ginsterkuppe“ übersetzen) handelt es sich um eine Assemblage von Grenache Blanc und Grenache Gris (zu gleichen Teilen) von im Schnitt 90-jährigen Reben, die hier tief auf Kalkstein und Schiefer wurzeln. Der Weinberg wurde (soviel man weiß) 1889 angelegt, die Erträge entsprechend gering, der „Stoff“ aus dem (wer den Wein schon einmal probiert hat, wird sagen: zwangsweise) die Träume sind, leider auch sehr rar. Je nach Jahrgang sind es 2.000 bis 2.300 Flaschen, was für unsere Allokation bedeutet, dass sie leider eher klein bis winzig ist! Die „Rezeptur“ für diesen grand vin des Jahrgangs 2018 (abgesehen vom grandiosen Traubenmaterial, dem Terroir, der mittlerweile stilistischen „Unfehlbarkeit“ des Winzers) sah 18 Monate in Fuderfässern vor (neues Holz ist wohl auch dabei), ein wenig battonage (das Aufrühren der Hefen) ist auch vorgesehen, was zur enormen Fülle, Dichte und Komplexität dieses Weißweinwunders beiträgt, ohne auch nur im Geringsten das Mysterium dieses Meisterwerks in Wein „erklären“ zu können, das uns im Glas entgegenfunkelt: intensiviert sich beim „Coume Gineste“ das langanhaltende Changieren von Frucht und Würzigkeit, mit jeder Minute im Glas legt dieser kraftvolle, mineralische, faszinierend elegante und vor allem betörend sinnliche Wein an Komplexität zu, die „burgundische“ Seite dieses Wein weist gen Bâtard-Montrachet, die okzitanische ist ganz klar: Magie! Pardon, Gauby! PS: Der Jahrgangsvorgänger wird von Betanne+Desseauve mit 18,5/20 Punkten bzw. in der Revue du Vin de France mit 94/100 Punkten bewertet – für den Fall, dass Sie sich, werte Kunden aus diesen „Zahlenspielen“ nichts machen sollten: Unser gefällt der aktuelle „Coume Gineste“ noch besser als der 2017er! Ab sofort – mit viel Luft, im großen Glas und nicht kühl – ein Genuss. In zwei bis vier Jahren vermutlich umwerfend, dann bis 2038+ Diese Essenz duftet atemberaubend schön (époustouflant!, wie ein französischer Kritiker in schöner Regelmäßigkeit über diesen Wein schrieb), sehr floral (leicht süßliche weiße Blüten), kandierte Orangenschale, zarte Kräuterteenoten (eine Mischung aus Kamille und Verbene). Die Holznoten extrem subtil, fast hintergründig (unreife, noch weißlich-grüne Haselnuss statt Eiche) bevor sich der Fokus wieder auf ein aromatisch weitaufgefächertes „Agrumenpanorama“ richtet (in Honig(!) eingelegte Salzzitrone, Zitronenmelisse, Grapefruitzesten). Nach und nach brechen sich würzige Noten eine Bahn, Süßholz, Anis, etwas Brioche, gerösteter Sesam, die von gelben Früchten – Quitte, etwas Ananas, Passionsfrucht (alles sehr subtil und immer „mineralisch“-salzig unterlegt) – flankiert werden. Dazu eine wunderbar präsente Säure, die ungemein animierend wirkt, aromatische „Glanzlichter“ erzeugt. Der weder geschönte noch filtrierte wirkt druckvoll, intensiv drängend, in seiner Textur unbedingt mit einem burgundischen Grand Cru vergleichbar (oder, wie es der Guide Hachette einmal notiert hat: „Eine Allianz burgundischer Eleganz und dem kontrastierenden und reduzierten Terroir von Calce“). Mit etwas Luft © Marc Ginot 33

1997-2021 Pinard de Picard GmbH & Co. KG, Saarwellingen, Germany. ALL RIGHTS RESERVED.