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PINwand Nr 318

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Weinmailing Ausgabe Januar 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinfachhandel und Weinversender

FRANKREICH ROUSSILLON

FRANKREICH ROUSSILLON Gauby © Marc Ginot So viel Lob für ein kleines Weingut aus einem Naturparadies des französischen Südens. Wie ist das denn möglich, mögen Sie vielleicht fragen? Lassen wir doch zur Beantwortung dieser Frage einen renommierten Wein-Autor und -Journalisten zu Worte kommen: „Lange stand das Roussillon im Schatten des benachbarten Languedoc. Plötzlich hat jedoch im Norden der Region eine verblüffende Dynamik eingesetzt: In den Hügeln des oberen Aglytals verfügen die Winzer über hervorragende Terroirs mit Kalk-, Schiefer- oder Granitböden und über einen bedeutenden Bestand an alten Reben; ideale Voraussetzungen, um große Weine von herausragender Qualität zu erzeugen“, so das euphorische Urteil von André Dominé, einem der versiertesten Kenner der Weinwelt Frankreichs. Wahrlich: Kein anderer wirklicher französischer Weltklasserotwein ist heute auch nur annähernd zu einem solch sympathischen Preis zu haben! Aber nochmals: Wo liegen die Ursachen für diese singulären Qualitäten? Am besten fährt man zur Beantwortung dieser Frage zu ihm selbst nach Calce in die Bergwelt des Roussillon. Hier fällt sofort die biodynamische Bewirtschaftung der Weinberge, zu deren bedeutendsten Verfechtern weltweit Gérard mittlerweile zählt, ins Auge, die ganz entscheidend zum bemerkenswerten Qualitätssprung der Weine beigetragen hat. Um die Monokultur des Weinbaus aufzubrechen, lässt er wildwachsende Pflanzen in seinen Weinbergen sprießen, die wiederum wie Inseln in einem Naturbiotop eingelassen sind; eigene Tiere werden gehalten und bewegen sich frei umher, die Jagd auf Wildtiere ist strikt verboten; Jahr für Jahr werden 400 bis 500 Bäume gepflanzt, über 4000 bisher insgesamt; gepflügt wird nur direkt unter den Rebstöcken. Aus wilden Thymian, Rosmarin und Flachs bereitet er hochwirksame Tees, die er versprüht, um Ungeziefer sexuell zu verwirren und so ihre Vermehrung zu verhindern – Verhütung auf biodynamische Art. Immer stärker konzentriert Lionel seither seine Anstrengungen auf die Bearbeitung der Böden seiner exzellenten Parzellen. „Die Dinge geschehen nicht von einem auf den anderen Tag“, erläutert Gauby. „Es braucht ein Jahrzehnt, um die natürlichen Abwehrkräfte der Reben wiederzubelebent, die wir jetzt in unseren Weinbergen haben. Bei den Weinen arbeite ich nur noch mit extrem wenig Schwefel, sie erreichen eine fast schon nördliche Geradlinigkeit, aber mit einem enorm hohen Anteil an Extrakt und Konzentration, vor allem aber an Tiefe.“ In gleicher Weise bedeutsam für den qualitativen Weiterentwicklung war die Umstellung in der Kellerarbeit. Denn Gérard reduzierte in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Lionel, der mehr und mehr die Verantwortung auf dem Weingut übernimmt, die Extraktion. Sie wollen keine Konzentrationsmonster mehr zu erzeugen, sondern – bei aller Dichte und Tiefe – großartige Trinkweine, die Lust machen, mehr als nur zwei oder drei Gläser zu genießen. Eine so brillante wie zukunftsweisende Entscheidung, die den Weinen nochmals mehr Finesse und Rasse, Eleganz und Geschliffenheit angedeihen lässt und zu der im Weinberg angelegten Dominanz des Terroirs über den Rebsortencharakter beiträgt. Lassen wir noch einmal André Dominé zu Wort kommen: „Gaubys Weine verblüffen mit ihrer spektakulären Frische, Finesse und Mineralität. Sie erfinden den Süden neu, verbinden dessen Frucht und Rundheit mit einer Eleganz, die an große Bourgognes denken lässt, und wie diese brauchen sie viel Zeit (oder Luft), um sich zu offenbaren!“ Tatsächlich sind es singuläre, sagenhafte Weine voller Charakter und Authentizität, Weine mit einem Reife- und Entwicklungspotenzial, die, stammten sie aus einer der „Renommierregionen“, sofort ein kleines (bis mittleres) Vermögen kosten würden. Und à propos Entwicklungspotenzial und Vergleichbarkeit: Die jüngste (inzwischen achte und komplett überarbeitete) Auflage des „World Atlas of Wine“, herausgegeben von Hugh Johnson und Jancis Robinson MW, versichert resolut (und schwarz auf weiß), dass Produzenten aus der IGP Côtes Catalanes (wie etwa Gauby) „bewiesen haben, dass hier Weine entstehen und gemacht werden, die so großartig und langlebig wie jeder Puligny sind“! Werte Kunden, seien Sie versichert: Die beiden Gaubys, Vater und Sohn, machen Weine wie von einem anderen Stern – versprochen! 30 PINWAND °318 | Januar 2021

Gauby ROUSSILLON FRANKREICH „CALCINAIRES“ IGP CÔTES CATALANES, BLANC 2019 Die schier unergründliche Leichtigkeit des Lionel Gauby FRO010719 Les Calcinaires, I.G.P. Côtes Catalanes BLANC 2019 12,5% Vol. 25,20 €/l 18,90 € Für „Neuankömmlinge“ und „Erstentkorker“ sicherlich ein mittleres Wunder: Dieser unglaublich leichte, in seiner Textur fast transparent wirkende, glockenhelle, trinkanimierende Weißwein soll aus dem Roussillon stammen? Aus den von der Sonne des Südens überreichlich bedachten Côtes Catalanes? Die Zauberworte bzw. Schlüssel zum Verständnis lauten hier „Calce“ und „Gauby“. Denn die Weine der Domaine Gauby waren schon immer ein wenig anders, nicht zuletzt der „kleine“, mittlerweile schon fast legendäre „Calcinaires“ in Weiß. Diese traumhaft leichtfüßige Assemblage aus 50 % Muscat sec (von bis 50-jährigen Reben), 30 % Chardonnay (Rebalter: 20 Jahre) und 20 % Macabeu (30 bis 50 Jahre alte Reben) – möglicherweise ist auch eine Spur Vermentino dabei – beeindruckt auch im jüngsten Jahrgang durch ihre tatsächlich unnachahmliche Finesse. Was allerdings nur ein Teil des komplexeren und größeren Ganzen ist, denn Lionel Gauby ergänzt diese bemerkenswert feingliedrige Eleganz um eine fast „leuchtende“ Präsenz und einen unglaublich subtilen, stofflichen wie mineralischen Druck, den man selbst bei „ausgewachseneren“ Kraftpaketen – der weiße „Calcinaires“ schafft das mit schmalen 12,5 Vol.-%! – aus dieser Region vergeblich sucht. Anfangs noch verhaltene, dann immer deutlichere florale Noten (Rosen, Lindenblüten, ein Hauch Kamillentee), dann betörend „weichfruchtig“ (weißer Pfirsich, etwas Birnenquitte, zitrische Aromen und ein paar „hingehauchte“ weiße und rote Johannisbeeren), am Gaumen noch einmal Frucht (deutlich rezenter, knackiger Duft), eine feine cremige Ader, die im anregenden salzigen Finish und Nachhall (Mandeln? Mandeln und Salzwiesenkräuter!) von der präsenten, unglaublich animierenden Säure einen herrlichen spin erhält. Gaubys „Calcinaires“ präsentiert sich wie so oft völlig „anders“, was ihn vom Gros der oftmals zermürbend belanglosen Weine (und Weinchen) aus dem französischen Süden wohltuend unterscheidet. Hier manifestiert sich denn auch das fabulöse Können des Lionel Gauby aufs Schönste (und wir können uns nur wiederholen, was wirklich zählt ist die Basis!): Roussillon blanc mit dem Trinkfluss eines Moselrieslings – läuft! Aber sowas von! Ab sofort bis leicht 2027+ Vater Gérard und sein Sohn Lionel arbeiten Hand in Hand - Gauby ist die Legende des Roussillon! © Marc Ginot 31

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