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PINwand Nr. 313

Weinmailing Ausgabe September - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinfachhandel und Weinversender

FRANKREICH BURGUND

FRANKREICH BURGUND Guillemot Mark und selten haben wir im Burgund einen Betrieb erlebt, der so glasklar und offen einen Einblick in sämtliche Produktionsabläufe kommuniziert. Sie lassen sozusagen ‚die Hosen herunter‘, niemals haben wir eine solche Offenheit erlebt, die beiden haben nichts zu verbergen und Mystifizierung liegt ihnen fern. Wahrlich inspirierende Besuche! Zum Terroir Savigny-lès-Beaune Nördlich von Beaune gelegen befindet sich die hübsche Gemeinde Savigny-les-Beaune. Sie steht – glücklicherweise noch– etwas im Schatten ihrer international heiß begehrten Nachbarn von der Côte de Nuits, wohl auch, weil die überwiegend roten Weine dieser Region von der Côte de Beaune nicht so stark wahrgenommen werden wir die legendären Weißweingemeinden Meursault, Chassagne- und Puligny-Montrachet. Dabei trumpft sie mit dem sowohl für Weißweine als auch Rotweine exzellenten Grand Cru Corton-Charlemagne auf, der in U-Form mit einem das Haupt schmückenden Waldstück majestätisch über den Gemeinden Ladoix-Serrigny, Aloxe-Corton und Pernand-Vergelesses trohnt. Die Domaine Pierre Guillemot besitzt hier im Filetstück Corton Le Rognet einige Parzellen. Das Herzstück der Domaine, und für uns die eigentliche Sensation, bilden allerdings die verschiedenen 1er-Cru-Lagen aus Savigny- les Beaune, allen voran das Flaggschiff des Hauses, der „Les Serpentières“, dem wohl stärksten innerbetrieblichen Konkurrenten des Grand Crus. Es gibt noch eine weitere Besonderheit, welche die Guillemots über die Generationen bewahrt haben: Etwas Pinot Blanc, der im Burgund übrigens ursprünglich selbst in den Grand Crus noch vor wenigen Jahrzehnten verschnitten wurde, befindet sich immer noch im Besitz der Familie und geht in den mittlerweile kultigen (vor allem bei den Amerikanern extrem beliebten) Villages-Wein „Le Dessus Gollardes“ ein. Ein Wein, den Sie probieren müssen, aromatisch völlig überraschend und für das Burgund unerwartet, und dessen Reifepotenzial uns verblüfft hat! Savigny-les-Beaune bringt im Allgemeinen einen eher kernigen Pinot Noir hervor. Die Eigenheit der Weine war schon immer ihr robustes Rückgrat und die fleischige Struktur in der Jugend, bei gleichzeitig finessenreicher roter Frucht und feiner Würze. Genau diese Stärken wissen Philippe und Vincent zu wahren. Allerdings gelingt es ihnen wie wenigen anderen Betrieben, bereits in jugendlichem Stadium allen Weinen enormen Charme mitzugeben. Ihre Weine erweisen sich als Burgunder ganz klassischer Prägung, deren Kennzeichen Finesse und Balance sind. Sie strahlen große Klasse aus und sind idealtypische Zeugnisse des Terroir-Gedankens, der diese Region für viele Weinliebhaber zu einer der attraktivsten in der Welt des Weinbaus macht. Dank alter Reben aus dem Familienbesitz, dem Wissen, dass sich ihre Weine so hervorragend entwickeln (wir kennen wenige Betriebe im Burgund, die einen derartig guten Bestand alter Weine pflegen und so auch wirklich genau wissen, wie sich die Weine über Jahrzehnte verändern), aufwändiger, traditioneller Arbeit in den Weinbergen und gleichzeitig moderner Ausbildung, kann die jüngste Generation der Domaine Pierre Guillemot einer verheißungsvollen Zukunft entgegenblicken, die wir mit größtem Interesse begleiten werden! Werte Kunden, das Minenfeld Burgund kann manchmal frustrierend komplex sein. Eine immer gültige Weisheit, die wir aus all unseren Besuchen in die geliebte Region immer wieder mitnehmen und predigen: Über jeder Lage, jedem Jahrgang und jeder Vinifikationsmethode steht zunächst der Winzer. Wir haben noch nie einen Grand Cru getrunken, der uns nachhaltig in Erinnerung geblieben wäre, aber von einem leidenschaftslosen Winzer vinifiziert wurde, oder aus Jahrhundertjahrgängen aus unbekanntester Hinterdorflage Traumweine im Glas gehabt. Der Winzer und dessen Talent, dessen Feingeistigkeit und Aufmerksamkeit entscheidet zunächst über die Qualität eines guten Burgunders. Die Exzellenz der Lagen sind Instrumente jener Winzer, die deren Möglichkeiten aufblühen lassen und zur Vollendung führen können oder aber eben limitieren. Es ist noch kein Stargeiger vom Himmel gefallen, lediglich weil er eine Stradivari besaß. Vincent und Philippe Guillemot aber sind solche begnadeten Künstler, die viel lieber allerdings echte Winzer sein möchten. Mit ihren höchst authentischen Weinen vom Terroir Savigny-les-Beaune überzeugen sie uns durch exzellentes Handwerk, Respekt vor der Tradition und das zu Preisen, die im Kontext Burgunds unmöglich günstig erscheinen. William Kelley, jetziger Parker-Verkoster für Burgund, schrieb in seinem aktuellen 2018er Bericht: „Wie ich schon letztes Jahr schrieb, ist dieses sieben Hektar große Anwesen in Savigny-lès-Beaune eine unterschätzte Quelle für preisgünstiges und hochwertiges rotes Burgund.“ Dem stimmen wir uneingeschränkt zu, völlig entspannt und wohl wissend, dass unsere beiden sympathischen Winzerbrüder aus Savigny-les-Beaune auch in Zukunft den Fokus auf die stilistische Konstanz ihres Betriebes richten werden, und dies völlig unbeeindruckt von gängigen Marktmechanismen und der Versuchung, Teil des allgemeinen im Burgund herrschenden Hypes zu werden. Es ist ein Glücksfall, bei vergleichsweise niedrigen Preisen, wie es hier der Fall ist, Weine von derartiger Exzellenz und derartig großem Reifepotenzial zu finden. Daher haben wir einige Weine im Magnum-Format erworben, wohlwissend, dass diese nach vielen Jahren für manch große Überraschung sorgen werden! Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen mit diesen exzellenten Botschaftern Burgunds! 36 PINwand313 | September 2020

Guillemot BURGUND FRANKREICH SAVIGNY-LÈS-BEAUNE, „LE DESSUS DES GOLLARDES”, BLANC 2018 Immer wieder für eine Überraschung gut! FBU260918 Savigny-lès-Beaune, „Dessus des Gollardes”, blanc 2018 13% Vol. 35,86 €/l 26,90 € „Savigny Blanc wird unterschätzt. Von einem anständigen Erzeuger kann er ein wahres Vergnügen sein, mit einem Hauch Silex-Geschmack und viel reifer satter Frucht. Bessere Jahrgänge belohnen uns nach einigen Jahren der Lagerung, bringen einen nussigen, sehr eigenständigen Wein mit mittlerer Reife hervor.“ – The Great Domaines of Burgundy „Le Dessus des Gollardes“ ist eine echte Rarität Burgunds. Man muss sich schon bei echten Enthusiasten und Kennern der Region umhören, wenn man mehr über die Eigenheit dieses Weins erfahren will. Für die meisten teilt sich Burgund nämlich in Pinot Noir und Chardonnay auf. Okay, da wäre noch der Aligoté, der in letzter Zeit wieder vermehrt von Winzern ausgebaut und gepflegt wird und dann stehen vereinzelt noch etwas Gamayreben im Burgund. Doch Pinot Blanc? Im Burgund? Nie probiert! Dabei ist der Pinot Blanc, also der Weissburgunder, ursprünglich im Burgund beheimatet. Und man traf ihn vor einiger Zeit gar nicht so selten an, bevor dann überwiegend Chardonnay gepflanzt wurde. Im Burgund ist er auch als Pinot Gouges bekannt, die Mutation des Pinot Noir wurde auf der Domaine Henri Gouges entdeckt und auch heute noch reinsortig ausgebaut. Guillemots füllen eine Cuvée aus Chardonnay und Pinot Blanc ab, deren Reben bereits vom Vater im Jahr 1955 gepflanzt wurden. Das ergibt einen enorm erfrischenden Wein, den man allein aus der Chardonnay- Traube so kaum erzielen könnte. Philippe und Vincent vergären hier beide Trauben kontrolliert gekühlt, um alle Aromen herauszuholen und bauen den Wein dann im gebrauchten Holz und Stahltank aus. Das duftet apfelig und nach weißen Blüten und überrascht am Gaumen durch enorme Frische sowie eine zartcremige Struktur. Die Reifeentwicklung und das Potenzial des Weins haben wir auf eindrucksvolle Weise bei unserem ersten Besuch selbst erfahren dürfen. Wir verkosteten rückblickend die Jahrgänge 2017, 2016, 2014, 2008 und 1989! In der Jugend zeigt sich der Wein aromatisch und vom Pinot Blanc erfrischt mit Aromen von reifen Birnen, Vanille und Aprikosen. Mit 3-4 Jahren entwickelt er dann am Gaumen eine beeindruckende innere Dichte und Aromenverwobenheit. Nüsse und Honig schwirren mit, der Wein wirkt ruhiger und weicher. Unser Exemplar aus 1989 haben wir mindestens 10 Jahre jünger geschätzt. PS: Uns scheint, dass der Wein seit einigen Jahren noch mehr an Finesse und Komplexität gewonnen hat. Kein Wunder, wirkt doch an diesem Wein auch Philippes Bruder mit, der Erfahrungen bei Louis Carillon, Tollot-Beaut und Dujac gesammelt hat. Zu genießen ab sofort, Höhepunkt wohl 2021 bis 2030+ 37

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