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Weinmagazin im November 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

FRANKREICH LANGUEDOC La

FRANKREICH LANGUEDOC La Pèira „LAS FLORS DE LA PÈIRA“ VIN DE FRANCE, ROUGE 2018 Reichhaltige Top-Cuvée, die viel „Umami“ in der Flasche bietet FLA150218 „Las Flors de la Pèira“ Vin de France, rouge (2018) 14,5% Vol. 39,93 €/l 29,95 € Ja, wir befinden uns im Languedoc-Roussillon und doch pflegen auch die Eigentümer der Boutique-Winery, Karine Ahton und Rob Dougan, das System der großen Bordeaux-Erzeuger. Es gibt also einen grand vin, der wie das Weingut selbst „La Pèira“ heißt und einen Zweitwein, der auch groß das „2ème“ am Etikett trägt. Er nennt sich „Las Flors” und stellt im Kern einen Blend aus Syrah, Grenache und Mourvèdre dar. In den aktuellen Jahrgängen kommen – in weitaus kleinerem Ausmaß – auch Cinsault und Carignan als flüssige Würze zu der Assemblage. Die Trauben stammen mehrheitlich aus dem lieu-dit Belle Fiolle (hochfranzösisch: Bellefeuille). Doch bei den schönen Blättern belässt es dieser Wein nicht. Seine Balance und der Nachdruck, eine moderne „internationale Stilistik“ haben etwas von kalifornischem Rotwein an sich. Was ausdrücklich als Lob für das Raffinement der Kellermeisterin zu verstehen ist! Die tiefe Würze des französischen Unterholzes, für Kenner: Garrigue – man sieht sie förmlich vor sich, wenn man an diesem Glas riecht: Wie ein Kräuter- Strauß oder getrocknete Oliven aus der Provence duftet dieser intensive Wein. Leichte Säure und Würze können aber nicht den Blick auf die intensive Gangart dieser Cuvée verstellen. Brombeere, Heidelbeere und Holunder müssen es sich aber gefallen lassen, dass auch immer wieder ein geriebener Meerrettich zwischen ihnen Allotria treibt. Das will man einfach kosten! Und der „Las Flors“ hat noch ein paar Asse im Ärmel. So stellt ein dunkelfruchtiger Beeren- Mix das Herz-Stück dar, doch auch Sauerkirsche und hellere Fruchtnoten sind hier zu spüren. Bemerkenswert ist der Gerbstoff, der in dieser Jugend – und bei nicht gerade Tannin-armen Sorten im Blend! – geschliffen wirkt. Mehr kubanische Puro als italienischer Espresso, könnte man sagen. Köche wird dieser „La Pèira“ an die Geschmacksrichtung „Umami“ erinnern mit den Eindrücken von getrockneten Tomaten, die vor allem im Finale sehr präsent sind. Und wie übersetzt man diesen „fünften Geschmack“ zumeist? Mit „reichhaltig“ – genau das wäre der „Las Flors“, in einem Wort beschrieben. Ab sofort bis 2032. 48 PINWAND no 331 | November 2021

La Pèira LANGUEDOC FRANKREICH „DEUSYLS DE LA PÈIRA“ VIN DU PAYS D’HERAULT, BLANC 2019 Burgundische Feinheit kann auch aus dem Languedoc kommen FLA150419 Deusyls de la Pèira“ VdP d’Herault, blanc 2019 14,5% Vol. 39,93 €/l 29,95 € Eine konsequente Struktur steht hinter dem Portfolio von „La Pèira”: Jeweils ein Flaggschiff in Rot und Weiß wird von einem „Zweitwein“ flankiert, wie man das auch aus dem Bordelais kennt. „Deusyls de la Pèira” stellt den Weißwein dar, der den „La Pèira Blanc” flankiert. Auch er stammt aus den traditionellen Sorten der Region. Wobei man sich vorbehält, den Anteil von Roussanne, Marsanne und Viognier zu variieren und eventuell zu ergänzen, wenn es der Jahrgang verlangt. Die Trauben für diesen austarierten Weißwein, der eine kurze Passage im Barrique verbringt, stammen aus dem „Hausweinberg“ von „La Pèira” – dem unmittelbar neben dem Haus gelegenen lieu-dit mit dem schönen Namen „Bellefeuille“ (bzw. im okzitanischen Dialekt: „Belle Fiolle“ genannt). Ein wenig stellt dieser Wein die Geographie Wein-Frankreichs auf den Kopf. Denn zwar steht eine Elsässer Önologin hinter diesem Wein aus Südfrankreich, doch aromatisch glaubt man bisweilen burgundischen Charakter zu erkennen. Sagen wir einen Mâcon. Klar verortet ist er jedenfalls am Gaumen: Wie Meeresbrandung, die über Kamillen rollt – so frisch und mit zart salzigem Grundton lässt sich der Duft des „Deusyls de la Pèira” an. Die Butterkeks-Töne der dezenten Fasslagerung werden von pikanten Akzenten (Senffrüchte und gelbe Chilischoten) elegant konterkariert. Und die Frucht? Sie versagt sich jeden plakative Primär-Tönung, dafür wirkt sie mit dem feinen Rauch wie ein gedörrter Apfel, an dem man auch die Schale belassen hat. Im Mund hat man sich offenbar auf vertauschte Rollen geeinigt. Der runde und anheimelnde Schmelz des Eichenholzes gibt dem 2019er vorneweg einen leichten Honig-Vanille-Ton mit. Er hat aber allenfalls bis zum mittleren Gaumen das Sagen; dann bricht sich die wunderbare Würze ihre Bahn und lässt dem cremigen Marsanne-Anteil die feine Klinge von Safranfäden und weißem Pfeffer folgen. Gefüllte Kalbsröllchen (involtini) oder Saltimbocca alla Romana wären grenzüberschreitende Speiseempfehlungen zum „Deusyls de la Pèira” 2019. Ab sofort bis 2028. „LA PÈIRA“ VDP D’HERAULT, BLANC 2019 Kraftvoller Südfranzose, der Geduldige reichlich zu belohnen weiß FLA150619 „La Pèira“ VdP de l’Herault, blanc 2019 14,5% Vol. 86,66 €/l 65,00 € Ein gutes Jahrzehnt Vorarbeit steckten Rob Dougan und seine Partnerin Karine Ahton in ihren „La Pèira Blanc“. Erst seit 2013 ergänzt der Weißwein die Range der seit 2005 im Hinterland von Montpellier aktiven Winzer. Doch die Vorgeschichte des Weißwein-Anbaus in diesem Teil des Languedoc-Roussillon geht bis auf die römische Zeit zurück. Plinius der Ältere erwähnte die Eignung der Region in seiner „Naturalis historia“, die Archäologie bestätigte ihn spätestens 2007: Unweit des Weinguts fand sich die älteste bislang auf französischem Boden entdeckte Kelterei. Und die Kiesböden sind bis heute ein überaus faszinierendes Terroir geblieben! Je nach Jahrgang fügt Kellermeisterin Audrey Bonnet- Koenig zu der Assemblage aus Viognier, Roussanne und Marsanne auch Clairette blanche hinzu. Diese Rebsorte gab der seit 1948 bestehenden AOC, zu der „La Pèiras“ Heimatgemeinde Saint André de Sangonis gehört, ihren Namen. Am Weingut selbst versteht man diesen mächtigen Weißwein als das Gegenstück zum roten „grand vin“ La Pèira. Im ersten Berufsleben des Filmkomponisten a. D. Rob Dougan hätte man vermutlich gesagt: Er spielt mit großem Orchester auf. Ein großes Glas ist hier Pflicht! Nicht gleich zeigen sich die komplexen Duftnoten des 2019ers – er will entdeckt werden. Kurkuma und getrocknete Kamille sind dann die ersten Eindrücke eines kräftigen Weins, der aber keinerlei Holz-Prägung aufweist. Wäre hier Vanille im Spiel, man wüsste, was es geschlagen hat. Doch der Geruch nach gelbem Apfel und gemahlener Mandel zeigt davon keine Spur („oak is exceptionally discreet“, formulierte es Jancis Robinson für die Vorjahrgänge dieses Weins). Der erste Schluck füllt den gesamten Mund aus, ein wenig Aprikose gesellt sich nun zu den herben Frucht-Noten, die an Yuzu-Schale erinnern und einen Nachklang wie ein italienischer Aperitivo zeigen. Meerestiere mit reichhaltigen Saucen oder ein „clam chowder“ wären hier die erste Wahl. Und da auch das mythische Käsedorf Roquefort nicht weit entfernt ist, sei auch eine Käseempfehlung gegeben: Cabri Ariégeois oder ein Livarot. Ab sofort bis 2030. 49

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