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PINwand 331

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Weinmagazin im November 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

DEUTSCHLAND MOSEL Joh.

DEUTSCHLAND MOSEL Joh. Jos. Prüm ÜBER DIE WEINE „IHRE LANGLEBIGKEIT IST LEGENDÄR.“ VINUM WEINGUIDE 2021 WEHLENER SONNENUHR RIESLING KABINETT, 2020 Extraterrestrischer Kabinett! DMO110820 Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, 2020 8,5% Vol. 42,66 €/l 32,00 € Im 19. Jahrhundert orientierten sich die Arbeiter zeitlich im Weinberg anhand der Wehlener Sonnenuhr, heute dient sie als Orientierung für eines der besten Weißweinterroirs der Welt! Die Wehlener Sonnenuhr ist eine steile Süd-Südwesthanglage mit Schiefer- Verwitterungsboden. Ihre Weine erweisen sich als exzellente Langstreckenläufer. In der Jugend oft verschlossen und dicht gepackt, entwickeln sie sich über die Jahre zu hochkomplexen und finessenreichen Weinen von feiner Frucht und Würze. Die Wehlener Sonnenuhr zeigt ihre ganze typische Eleganz, verkörpert im Bilderbuch-Riesling aus dem Hause Prüm. Für Stephan Reinhardt produziert jene Lage „die sinnlichsten, elegantesten und komplexesten, ikonenhaften Weine, die überwiegend mit dem Weingut assoziiert werden.“ In einem Weingut von diesem Formate, wo Weinbau über Generationen betrieben wird, gibt es eigentlich keine großen Überraschungen. Die Konstanz ist die Stärke des Weinguts Joh. Jos. Prüm. Doch die Kollektion des Jahrgang 2019 setzte all dem noch eins drauf. Wir freuen uns enorm, dass auch 2020 zu den absoluten Spitzen des Jahrgangs gezählt werden darf. Dabei überzeugten uns vor allem die leichtfüßigen Kabinette, die hier für den warmen Jahrgang enorm filigran und präzise daherkommen. Was das Reifepotenzial angeht, stammt unser Favorit aus der Wehlener Sonnenuhr. Der Kabinett überzeugt durch eine meisterliche Klasse und Reife, wie sie dem Spätwerk großer Schriftsteller eigen ist. Diese Sonnenuhr hat nicht ganz die Ungeschliffenheit und Spritzigkeit eines Erstwerks, offenbart ihre wahre Größe aber umso mehr durch eine gereiftere, ja komplexere Komposition. Man muss sich allerdings – dies gilt auch für den Kabinett – ein wenig mehr damit befassen und in Geduld üben. In etwa so verhalten sich die beiden Kabinette aus dem Graacher Himmelreich und der Wehlener Sonnenuhr zueinander! Schon das Bouquet bietet allerlei Anreize zum Verweilen. Das komplexe Fruchtspiel aus Karambole, Zitronat und Schieferwürze changiert hier fast sekündlich, offenbart immer neue Facetten. Der Kabinett lässt bereits erahnen, welch Tiefe einem am Gaumen erwarten wird. Es ist der etwas größere Extrakt, die präsentere Frucht, die hier dicht gebündelt am Gaumen zur Geltung kommt, welche die Sonnenuhr so einzigartig macht. Sie offenbart die meisten Schichten, zeigt eine feine Gelbfrucht ohne ins Exotische abzudriften. Eine noble Würze zieht sich entlang, begleitet die tiefe Frucht. Das wirkt bereits rund und poliert, auf manch einen Verkoster sogar wie ein fertiges Kunstwerk. Doch aus Erfahrung wissen wir, welche Multidimensionalität sich erst nach fünf, zehn und 15 Jahren Reife entwickeln wird. Dann offenbaren sich pure Eleganz und Größe der Lage, die jetzt im immer feiner ausklingenden Nachhall bereits im ersten Stadium erkennbar ist. Doch es ist die Metamorphose der Lage, die uns so beeindruckt! Zu genießen ab sofort bis mindestens 2045+. 40 PINWAND no 331 | November 2021

Joh. Jos. Prüm MOSEL DEUTSCHLAND ZELTINGER SONNENUHR RIESLING SPÄTLESE, 2020 Zeltinger Zartmineralik DMO111920 Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese, 2020 7,5% Vol. 37,33 €/l 28,00 € Blauer Devonschiefer und alte Reben prägen die Lage, von der Sommelière Paula Bosch weiß: „Die Zeltinger Sonnenuhr gilt wie ihre Nachbarin, die Wehlener, als eine der besten Weinlagen der Welt“. Dieser spontanvergorene, im Stahltank ausgebaute Riesling profitiert zudem vom eher dünneren Mutterboden der Lage: Die tiefwurzelnden Reben beißen sich hier sehr schnell in den Blauschiefer. Bei Joh. Jos. Prüm gibt es zwischen einem Kabinett und einer Spätlese keine qualitative Rangfolge. Es sind eher zwei Spielarten, wobei eben die Spätlese eine noch höhere Komplexität und Fruchtintensität, zudem häufig ein nochmals um zwei bis drei Dekaden größeres Reifefenster aufweist. Dass viele in der Spätlese lediglich eine süßere Interpretation sehen, ist vielen degradierten und verkappten Auslesen zuzuschreiben, die um mit ihrer Komplexität und Fruchtsüße zu protzen, von einigen Winzern als Spätlese deklariert werden. Sie mögen zwar in Blindverkostungen gut abschneiden, doch die eigentliche Stärke einer Spätlese geht ihnen komplett ab, die ungemeine Finesse und Länge. In aromatischer Hinsicht ist die Spätlese so etwas wie die „verlängerte“ Version eines Kabinetts. Sie hallt auch dann noch nach, wenn ein Kabinett mit seiner feinen Verspieltheit und Eleganz längst verklungen ist. Von Joh. Jos. Prüm stammt so eine wunderbare „Trink-Spätlese.“ Hier passt die Bezeichnung deshalb so gut, weil man sie bereits in jugendlichem Stadium in vollen Zügen genießen, sich regelrecht an der feinen Aromatik laben kann. Die Zeltinger Sonnenuhr zeigt sich dieses Jahr ungemein zitronig. Nicht beißend zitrisch, sondern eher seidig, etwa so wie Zitrusmolke. Sie duftet nach reifen Amalfi-Zitronen und Ananas. Am Gaumen zeigt sie sich seidig, in ihrer sanften Art tatsächlich ein wenig sahnig. Das wirkt mild und seidig, macht enorme Freude. Dieser feine und zurückhaltende Stil kommt im Format der Spätlese besonders gut zur Geltung. Wir nennen das (fröhlich alliterierend) die „Zeltinger Zartmineralik“! Zu genießen ab sofort bis mindestens 2048. GRAACHER HIMMELREICH RIESLING SPÄTLESE, 2020 Unterirdische Wasseradern sind hier der Garant für große Weine – selbst in warmen Jahren! DMO111020 Graacher Himmelreich Riesling Spätlese, 2020 7,5% Vol. 41,33 €/l 31,00 € Direkt hinter der kleinen Ortschaft Graach erstreckt sich hoch am Hang das Himmelreich. Der Name lässt darauf schließen, dass hier für viele Winzer die allerschönsten Trauben eingefahren werden. Tatsächlich kann es einem aber schon mal schwindelig werden, wenn man hinab ins Tal auf die kleinen Häuschen schaut. Dabei zeigt sich das Himmelreich nicht so steil wie etwa der benachbarte Graacher Domprobst. Die Lage wirkt weniger verwinkelt. Die Trauben reifen dafür sehr gleichmäßig von dieser klimatisch begünstigten Exposition heran, ergeben kühle und präzise, in der Jugend zugängliche Rieslinge in allen Spielarten, vom Kabinett bis zur Trockenbeerenauslese. Besonders wichtig geworden ist aber die gute Wasserversorgung. Die von Wasseradern durchzogene Lage trotz den warmen Jahren, zeigte sich beispielsweise 2018 fast durch die Bank frischer als aus der Sonnenuhr. „Dr. Katharina Prüm hatte uns schon im Weingut berichtet, dass die Kabinette und die Spätlesen etwas trockener in ihrem Geschmacksbild geworden sind. Diese Neuerung gefiel uns nun nach der Belüftung noch besser, die Rieslinge erschienen uns etwas straffer und trinkiger.“ notierte der Vinum Weinguide 2021. Thematisiert wird hier, dass selbst in einem Traditionsweingut wie Joh. Jos. Prüm kontinuierlich am Stil gefeilt wird. Den bewährten Grundsätzen bleibt die Familie seit Generationen treu und wird hierfür von unzähligen Fans gefeiert. Aber in der Tat erfordern die vermehrt wärmeren Jahrgänge einen konzentrierteren Lesezeitpunkt, enorme Wachsamkeit und Fokussierung im Weinberg. Gut, wenn eine Lage perfekte Bedingungen zur Adaption besitzt, wie das Himmelreich. Auch für den Jahrgang 2020 können wir die Leichtigkeit der Spätlesen bestätigen. Sie wirken im Gegensatz zur Interpretation manch andere Betriebe der Mosel schlichtweg entspannter und eleganter. Das Himmelreich duftet in einem warmen und trockenen Jahrgang nach grünen Birnen- und Apfelspalten, auch Kräutern. Kandierte Birnen- und Zitrusfrucht taucht hier mit der Zeit auf. Das wirkt alles andere als tropisch und reif. Dass sich die Spätlese auch am Gaumen keinesfalls ölig, sondern eher glasklar präsentiert, verdankt sich der bewusst frühen Lese und Frische der Trauben. Mit 7,5 Vol.-% Alkohol hallt die Spätlese mit leichter Limettenaromatik ganz seidig aus. Das wirkt erstaunlich kühl, und mit dem zart-beherzten grip am Gaumen so spannungsgeladen wie ein guter Krimi! Zu genießen ab sofort, Höhepunkt wohl ab 2028–2050+. 41

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