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Weinmagazin im November 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

DEUTSCHLAND MOSEL Joh.

DEUTSCHLAND MOSEL Joh. Jos. Prüm DER JAHRGANG 2020 Im Zuge der klimatischen Veränderungen geht jeder von uns mit offeneren Augen durch die Welt. Man muss daher nicht unbedingt auf die Weinregionen schauen, um zu sehen, dass der Jahrgang 2021 sich völlig vom etwas verbrüdert scheinenden Trio der letzten Jahre unterscheidet. Das Mantra vom warmen und trockenen Jahrgang wird sich für 2021 nicht aufsagen lassen, sehr langsam reifende Trauben, Hagel und Regenkapriolen deuten sich aktuell an. Doch wollen wir heute auf den aktuellen Jahrgang im Hause Joh. Jos. Prüm zurückschauen, der pünktlich zum Herbst 2021 in aller Geduld freigegeben wurde. 2020 hebt sich trotz gar nicht so unterschiedlicher Verläufe von 2019 und 2018 ab. Es war ein sonnenreiches, eher trockenes Jahr. Ordentliche Regenschauer vom Winter sorgten für gute Wasserreserven. Die Blüte setzte schon früh im April ein, wurde über einen warmen Sommer getragen – 2020 bot die meisten Sonnenstunden, mehr denn je zuvor in der Gutsgeschichte. Dafür erreichte es nicht die absoluten Hitzespitzen des Vorjahres, hatte weniger warme Sommertage als 2018. Anders als im konzentrierten 2019er, lieferte 2020 kerngesundes Traubenmaterial mit etwas höheren Erträgen. So beschreibt Katharina Prüm 2020 denn auch nicht als Botrytis-Jahrgang. Dass jene Leichtigkeit dem ohnehin tänzelnden und feinen Stil der Prüm’schen Rieslinge ohnehin zusagt, kann jeder Liebhaber des Weinguts bestätigen. Es ist wohl auch den Regenschauern im Juni zu verdanken, die den Trauben über den warmen Sommer hinweghalfen, ihnen weitere Reserven ermöglichten. Anders können wir uns die Vitalität und Finesse der 2020er-Kollektion kaum erklären. Am 17. September fuhr das Team des Weinguts Joh. Jos. Prüm die ersten Trauben ein, bestens gereifte aber nicht zu fruchtintensive Kabinett-Träubchen. Als die Temperaturen im Oktober bedeutsam fielen, die Trauben am Stock ohne Grauschimmelfäule weiter reiften, wurden bis zum 21. Oktober nochmals einige der schönsten Partien der Wehlener Sonnenuhr gelesen. Sie ergaben eine Goldkapsel-Auslese, die zu den komplexesten der letzten Dekade zählen dürfte und nebenbei ganz frisch im Vinum Weinguide 2022 zur besten Auslese gekürt wurde! Dass dieses Jahr leider erneut kein Eiswein eingefahren werden konnte, ist ein kleiner Wermutstropfen, mit dem wir gut leben können. Bei derartig feinen Kabinetten, Spätlesen und unvergesslichen Auslesen kann man getrost von einer grandiosen Kollektion sprechen, die für uns eindeutig zu den ausgewogensten der gesamten Mosel zählt. Ob die größten Weine dieses Jahr bevorzugt, wie im Vorjahr, aus der Wehlener Sonnenuhr stammen (die Sonnenuhr ist Manfred Prüms große Liebe, so wie für Helmut Dönnhoff die Hermannshöhle), können wir nach unserer Verkostung in der Uferallee gar nicht so eindeutig bejahen. Klar ist: Die Sonnenuhr besitzt eine enorme Tiefe und Finesse, deren Reifepotenzial oftmals jene des Himmelreichs überragen kann. Doch die brillante Säurestruktur und puristische und doch auch höchst attraktiv ungehobelt-stürmische Art der Graacher Paradelage besitzt nicht weniger Reiz. Für uns gibt es kaum ein Weingut, bei dem der Jahrgang an so sekundärer Stelle steht. Wer einen Prüm-Riesling im Glas hat, trinkt einen wunderbaren Wein. Doch ist mit der diesjährigen Kollektion eines gewiss: 2020 liefert einige Klassiker! Wir wünschen Ihnen, werte Kunden, viel Freude mit den überirdisch schönen 2020ern von der wohl bekanntesten Adresse an der Mosel, der Uferallee 19. Rieslinge von unfassbar betörenden Spiel und graziler Leichtigkeit getragen werden. „J. J.s“ emotional berührende Weinunikate sind von einer singulären, schwebenden Duftigkeit, tänzerischem Ausdruck auf der Zunge und von unvergleichlicher Transparenz! 38 PINWAND no 331 | November 2021

Joh. Jos. Prüm MOSEL DEUTSCHLAND BERNKASTELER BADSTUBE RIESLING KABINETT, 2020 „Die Badstube zeigt sich immer schon früh zugänglich und fruchtbetont“ – Carine Patricio (Siegerin der „Ruinart Sommelier Challenge“ 2018) DMO110720 Bernkasteler Badstube Riesling Kabinett, 2020 8% Vol. 30,66 €/l 23,00 € „Egal in welcher Stimmung man auch sein mag, die Welt schaut stets ein Stück besser aus mit einem Glas Prüm in der Hand.“ schrieb Stephan Reinhardt schon vor Jahren in seinem Buch „The Finest Wines of Germany“. Was macht die Weine so besonders, dass sie in Fachkreisen nahezu einschlägig als heißgeliebte Klassiker gepriesen werden? Es ist wohl die Beschränkung auf die Kernkompetenzen des Guts, fruchtsüße Rieslinge, deren Leichtigkeit die Mosel in allen Facetten ihrer unterschiedlichen Lagen und dem Zusammenspiel der hieraus resultierenden Prädikate zelebriert. Wenn man hier seit einem halben Jahrhundert und gar mehr Klassiker wie am Fließband hervorbringt, kann ein Weingut getrost als Kult deklariert werden. Einer, der seit Generationen existiert und sich dank des exzellenten Reifeverhaltens heute noch erforschen lässt! Die beiden Lagen, Wehlener Sonnenuhr und Graacher Himmelreich, bieten hier Stoff für ewige Diskussionen darüber, welche Lage nun die bessere sei. Ein Thema, das selbst die besten Freunde – zumindest für die Dauer der Leerung einer Flasche – heftig entzweien kann! Leider steht hier oft die Bernkasteler Badstube – und völlig zu Unrecht! – im Schatten der beiden Stars. Aber auch die öffentliche Wahrnehmung hat sie nicht auf dem Schirm, da es nur geringe Mengen gibt, und nicht jedes Jahr erlaubt sie alle Prädikate. Dabei überzeugt sie gerade Prüm-Novizen, offenbart sie doch oft in der Jugend etwas mehr Fruchtintensität und Schmelz, während die Sonnenuhr häufig zunächst ein wenig abweisend wirken kann. Ersteres gilt auch für dieses Jahr. Die Badstube duftet pikant nach Sternfrucht, Birnen, aber auch etwas Pfirsich, weißem Pfeffer und Waldmeister. Ein dichtes Bouquet steigt aus dem Glas. Am Gaumen vermählen sich zarte Fruchtsüße und feine Säurestruktur, ergeben einen leichtfüßigen aber geschmeidigen Riesling, einen in seiner saftigen Art und fast gebirgsbachartigen Frische einfach meisterlichen Kabinett. Zu genießen ab sofort, bis mindestens 2039. GRAACHER HIMMELREICH RIESLING KABINETT, 2020 Himmelreich: Sturm und Drang DMO112220 Graacher Himmelreich Riesling Kabinett, 2020 8,5% Vol. 38,66 €/l 29,00 € Vergleicht man die diesjährigen Kabinette aus den drei Lagen Wehlener Sonnenuhr, Bernkasteler Badstube und Graacher Himmelreich, so erscheint letztere als die geschliffenste und kühlste des Trios. Es duftet hier hellfruchtiger und zwar nach grünschaligen Birnen, einem Hauch Mirabellen und frischen Limetten. Auch am Gaumen präsentiert sich das Himmelreich recht offenherzig, fast ungestüm, bewahrt aber stets Contenance. Sturm und Drang werden hier meisterlich verbunden. Die zitronige Säure erzeugt Rassigkeit, die subtile Frucht (Sternfrucht, Ananas und Apfel) sorgt für den Eindruck von Kühle und Eleganz. Doch in diesem Zusammenspiel brodelt es, es werkeln und ringen Frucht, Säure und Süße miteinander. Am Gaumen sorgt die pointierte Säure für Vitalität und Spannung. Sie hat nicht ganz die Feinheit und Tiefe der Sonnenuhr, wirkt dafür spritziger und minimalistischer. Das ist so fein und geradlinig, ja geradezu klassisch für diese legendäre Lage, für die viele Mosel-Liebhaber die Prüm’sche Variante immer wieder als Referenz heranziehen. Im Vergleich zur Badstube gewinnt das Himmelreich an Feinheit und Schliff, von der Sonnenuhr hebt sie sich durch die charmante Präsenz in der Jugend ab, strahlt dabei aber eine Schwerelosigkeit aus, die so über die Maßen typisch für Prüm ist und die im Grunde sämtliche Weine des Guts auszeichnet. Am Ende ist eines wieder einmal überdeutlich: Die Präferenz ist vor allem eine Geschmacksfrage. Zu genießen ab sofort, bis 2040+. 39

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