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Weinmagazin im November 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

DEUTSCHLAND PFALZ A.

DEUTSCHLAND PFALZ A. Christmann GIMMELDINGER KAPELLENBERG RIESLING VDP. ERSTES GEWÄCHS, 2020 (BIO) 93 Punkte: „Ein sehr cooler Typ mit erstaunlich lebhafter Persönlichkeit.“ – Stuart Pigott (James Suckling) DPF080220 Gimmeldinger Kapellenberg VDP.Erstes Gewächs, 2020 12% Vol. 37,33 €/l 28,00 € DE-ÖKO-003 93 Punkte SUCKLING Dieser Riesling aus 1. Lage, in etwa das Pendant zum französischen Premier Cru, entstammt einer für Pfälzer Verhältnisse eher hoch situierten Lage. Denn der Kapellenberg, benannt nach der unterhalb gelegenen Nikolauskapelle, lehnt sich als Vorhügel ans Haardtgebirge an. Besonderheit: Unter der schottrigen Buntsandsteinschicht fußt nichts als massiver Kalk. Er zeigt sich trotz des warmen Jahrgangs 2020 eher geschliffen und kühl. Das liegt nicht unbedingt, wie naheliegt, an der hohen Exposition der Lage, sondern viel mehr an den durch die Kaltluftzuflüsse des Pfälzerwalds auch bei warmen Tagestemperaturen eher milden Nächten. Es duftet hier ein wenig nach Sonnenblumenkernen, Zitrusabrieb und Kreidestein. Am Gaumen zeigt sich der Riesling rund und glatt, die Säure fein ziseliert. Das ist ein schlanker und fein definierter Riesling, dessen kreidiger grip am Gaumen die lediglich zart ausgeprägte Steinobstfrucht regelrecht beiseitestellt. Dieser Riesling kratzt bereits an der Güte eines Großen Gewächs, zeigt sich in seinem jugendlichen Stadium allerdings schon zugänglicher. Wir würden ihm lediglich ein minder verringertes Reifepotenzial bescheinigen, zehn bis 15 Jahre dürften mit Leichtigkeit erreicht werden, wobei dann die mineralische Seite noch augenscheinlicher hervortreten aber auch eine gewisse Fruchtpräsenz als aromatische Begleitung fungieren wird. Auch hier zeigt sich wie stark sich die biodynamische Bewirtschaftung speziell in den trockenen und warmen Jahrgängen bewährt. Der Kapellenberg bringt enorme Spannung bei 12,0 Vol.-% Alkohol auf die Waage. Als effektive Methode geben Steffen und Sophie Christmann zudem die bewusste Beschattung der Trauben durch ihre eigenen Laubwände an. Kein Zweifel: Die Erfolge im Glas sprechen für sich! Ab sofort, Höhepunkt wohl ab 2024 bis 2035+. „PFARRWINGERT“ WEISSBURGUNDER, 2020 (BIO) Manchmal muss man auch aus der Reihe tanzen! „Alles andere als fruchtbetont.“ – Stuart Pigott (James Suckling) DPF080720 „Pfarrwingert“ Weißburgunder VDP.Ortswein, 2020 12% Vol. 28,00 €/l 21,00 € DE-ÖKO-003 Beschränkung ist eine Tugend, die im Weingut Christmann enorme Früchte trägt. Nein, ein Vollsortiments- Winzer, der für jeden Geschmack und Liebhaber einen passenden Wein aus dem Keller offerieren kann ist das Weingut Christmann definitiv nicht. Das Leitbild des Hauses besagt das völlige Gegenteil: „Bei allem werden wir unser Sortiment immer mehr straffen, uns auf das konzentrieren, was wir am besten können: Riesling und Burgunder aus feinsten Lagen.“ heißt es. Der Weißburgunder, so könnten spitzfindige Zungen behaupten, ist der einzige Wein, der unter strengen Gesichtspunkten aus der Reihe tanzt. Er ist weder Riesling, noch Spätburgunder. Aber immerhin Burgunder. Und was für einer! Er entspringt einer Lage, deren Verpächter niemand geringeres als die Landeskirche ist, die immerhin so weise war, jenes Fleckchen Erde in professionelle Hände zu übergeben. Das Ergebnis ist einer der schönsten und anspruchsvollsten Vertreter seiner Sorte, bei dem unserer Meinung nach auch Sophie Christmanns Wanderjahre bei Kollegen wie Julian Huber (Baden) spürbar werden. Reduktiver Ausbau im Stahltank bei kalter Reinzuchthefenvergärung des reifen Traubenmaterials? So schaut der Antichrist aus! Die eher früh gelesenen Weißburgunder-Trauben gehen hier mit Trub in den Tank, werden dann im Doppelstück ausgebaut, dürfen hierbei ruhig etwas wärmer vergären. „Eine Stilistik, die Spaß macht.“ merkt Steffen Christmann hierzu an und wir nicken, immer noch fast betäubt von der Klasse dieses Weins. Der Frucht weicht hier eine Würze und Salzigkeit, es duftet flintig aus dem Glas. Gelbe Pflaumen vermischen sich mit zarter Holzwürze und Kamillenblüten. Am Gaumen herrscht fruchtfreie Zone, zarte Cremigkeit und erneut Würze, die von getrockneten Kräutern und etwas Hefearomen begleitet werden. Das ist Weißburgunder mit Spannung und Zug am Gaumen. Ein markanter Wein, der dann doch beweist, dass jene Rebsorte ihre Berechtigung hat, auch außerhalb des einfachen Alltagsweins. Gerne aus bauchigen Gläsern, 1–2 Stunden vorab geöffnet. Ab sofort, Höhepunkt wohl von 2022 an bis 2038+. 26 PINWAND no 331 | November 2021

A. Christmann PFALZ DEUTSCHLAND 95 Punkte SUCKLING MEERSPINNE RIESLING GROSSES GEWÄCHS, 2020 (BIO) 18,5 Punkte: „Die Meerspinne – aus dem ursprünglichen Teil der heutigen Großlage – toppt in diesem Jahr sogar Christmanns Paradewein Idig. “ (Weinwisser) DE-ÖKO-003 DPF080320 Meerspinne Riesling GG, 2020 12,5% Vol. 73,33 €/l 55,00 € DPF080320M Meerspinne Riesling GG, 2020 MAGNUM 12,5% Vol. 78,00 €/l 117,00 € Die Große Lage „Meerspinne“ befindet sich im Ausgangsbereich des Gimmeldinger Tals. Eine Lage, deren bedeutsame Stellung bereits im Jahr 1456 urkundlich hervorgehoben wurde. Es handelt sich um das historische Filetstück des Mandelgartens. Im Zinsbuch des Wissembourger Klosters, die sich direkt an der heutigen Landesgrenze zum Pfälzer Ort Schweigen befindet, wurde dieses besonders hoch dotiert. Für viele Winzer zählt die Meerspinne auch heute noch als beste Lage Gimmeldingens. Sie profitiert von den kühlen Nachtwinden des Pfälzerwalds, welche die Säurewerte auch im Spätherbst noch erhalten. Unter jener Parzelle befindet sich zudem ein Kalkmassiv, nur der Oberboden besteht aus Buntsandsteingeröll und Löss. Die Trauben für das Große Gewächs des Jahrgangs 2020 wurden am 16. September gelesen. Nach minimaler Maischestandzeit und Absetzung des Mosts vom groben Trub über Nacht, vergor der Most im Stahltank und klassischen Holzfässern (Pfälzer Eiche). Das Ergebnis zeigt sich in Form eines flintigen Rieslings, dessen Bouquet an allerfeinsten Chablis erinnert. Mit etwas Belüftung weicht der Feuersteinnote gelber Winterapfel, auch eine zarte Würze (getrocknete Blüten und Kräuter). Das ist ein kompakter Riesling, dessen dicht gepresste Frucht, etwas Granny-Smith- Apfel, Birnen und Salzzitronen in Verbindung mit der saftigen Säurestruktur für ein großes Reifepotenzial sorgen. Diese so ungemein subtile und vielschichtige Wein ist der Gegenentwurf zu manch regelrecht lautem und muskelbeladenen Forster Gewächs. Ein präziser Pfälzer Riesling, dessen blumig-würziges Parfum noch lange nachhallt, der frei von cremigen und schmelzigen Einschlägen daherkommt, ja gegenüber dem tiefgründigen und gewichtigen Großen Gewächs vom Idig regelrecht asketische Ausstrahlung besitzt. Für Mineralität-Freaks! Zu Beginn zart funky (Reduktion), der aber schnell verfliegt und Aromen von tropfenden Blättern und Blumen nach einem Gewitter zum Vorschein bringt. Ein sehr eleganter Wein, der unter der anmutigen Oberfläche eine ernsthafte Struktur aufweist. Er fängt gerade erst an, sich zu öffnen Trinkreife ab sofort, Höhepunkt wohl ab 2025 bis 2040+. 27

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