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PINwand N° 291

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Weinmagazin von Pinard de Picard - Ausgabe Oktober 2018 - Erlesene Weine und Feinkost.

ITALIEN ROMAGNA Chiara

ITALIEN ROMAGNA Chiara Condello Chiara Condello ROMAGNA NEU in unserem Programm!!! Wie Sie sich gewiss vorstellen können, probieren wir über das Jahr hinweg sehr viele Weine. Oftmals sind es Tipps von befreundeten Winzern oder Weinfreunden, mal von Sommeliers, manchmal sind es auch einfach Zufälle. Da in der heutigen Zeit über die sozialen Netzwerke jeder Geheimtipp binnen kürzester Zeit weltweit kommuniziert wird, wissen wir meist, um wen oder was es sich handelt. Nur selten bekommen wir Weine auf den Tisch, die uns völlig unbekannt sind, und noch seltener sind es dann auch Gewächse, die uns sofort derart in ihren Bann ziehen wie die von Chiara Condello. Was waren wir begeistert, als wir vor wenigen Wochen die beiden Erstlingswerke einer jungen italienischen Winzerin vor uns hatten. S P E K T A K U L Ä R! Zweimal Sangiovese pur, zwei Weine mit ganz eigenem Charakter und mit einer eindeutig weiblichen Handschrift. Beide sind klar, präzise, fein, elegant und auf eine besondere Art Sangiovese, wie wir ihn schon lange nicht mehr im Glas hatten. Als wir hörten, dass es Chiaras erster Jahrgang sei, konnten wir es nicht glauben, und ganz geirrt hatten wir uns auch nicht, denn die junge Winzerin hatte schon einige Jahre Erfahrung im Weingut ihrer Eltern gesammelt. Das Weingut heißt Condé und zählt zu einer kleinen Riege von Spitzenweingütern, die dabei sind, die italienische Romagna wieder in den Fokus der Weinöffentlichkeit zu rücken. 4 PINwand 291 | Oktober 2018

Chiara Condello ROMAGNA ITALIEN Die Romagna ist der südöstliche Teil der Emilia-Romagna. Diese Region ist bekannt für Ragù Bolognese, für Parmigiano Reggiano und Aceto Balsamico di Modena, für Mortadella und Tortellini, für Maserati und Ferrari, für Geigen aus Cremona und für Lambrusco aus der Emilia. Was lange Zeit übersehen wurde, und daran sind die Winzer der Region auch ein Stück weit selber schuld, ist das außerordentliche Potential des Sangiovese. Man findet in der Romagna bis heute eigene, sehr alte Sortentypen, die sich durchaus von dem Sangiovese Grosso aus Montalcino, dem Prugnolo Gentile aus Montepulciano und auch von den Chianti-Sorten unterscheiden. Kein Wunder; denn die Toskana ist zwar die benachbarte Region im Süden, doch zwischen den beiden Regionen liegt der Apennin, das Mittelgebirge, das beide trennt, zugleich jedoch auch verbindet. Es war wohl im Apennin, wo der Sangiovese um das Jahr 1000 in einem Klostergarten entdeckt und von dort sowohl in die Romagna als auch in die Toskana verbreitet wurde. In den letzten Jahren ist den Weinmachern der Romagna immer klarer geworden, dass man diesen uralten Schatz zum Markenzeichen der Region machen sollte. Schließlich wird der Sangiovese in der Romagna schon viel länger reinsortig ausgebaut als in der benachbarten Toskana. Und es gibt einen Ort, der schon sehr früh bekannt geworden ist mit seiner außerordentlichen Sangiovese-Qualität. Es ist Predappio, die Heimat des Weinguts von Chiara Condello. Predappio liegt schon recht hoch in den Ausläufern des Apennin und profitiert neben dem exzellenten Klima, das deutlich von der Adria und den Bergen bestimmt ist, von einer außergewöhnlichen Bodenstruktur, die Spungone genannt wird. Spungone ist eine Mischung aus Gips, Kalk- und Sandsteinverwitterungen sowie einem hohen Tonanteil – perfekt für den Sangiovese di Romagna. Das sah auch Chiaras Vater Francesco so, der bei Predappio ein Weingut im Stile eines Châteaus aufgebaut hat, wo die Weingärten in den Hügeln rund um das Weingut liegen. Chiara vinifiziert hier die Weine von Condé zusammen mit den Önologen Stefano Zoli und Federico Curtaz, der früher für Angelo Gaja gearbeitet hat. Neben der Arbeit auf dem Familienweingut in der Tradition des Vaters hat Chiara aber auch den Anspruch, Weine zu vinifizieren, bei denen sie keine Kompromisse eingehen will und ihre persönlichen Vorstellungen und Ideen umsetzen möchte. Daher hat sich die bekennende Burgund-Liebhaberin vor einigen Jahren entschlossen, ihre eigenen Weine auszubauen. Sie nutzt dafür zwar die hervorragenden, biologisch bewirtschafteten Lagen ihrer Familie, führt jedoch andere Laubarbeiten und Lesezeitpunkte durch und setzt im Keller auf feines Handwerk wie etwa auf eine alte Korbpresse, andere Maischestandzeiten und Ausbauarten. Chiara weiß genau, wohin sie mit ihren Weinen will: „In meinen Weinen suche ich den authentischen Ausdruck meines Landes, seiner Geschichte, seiner Seele. Ich stelle mir einen reintönigen unverfälschten Wein vor, der aus den unwiederholbaren Bedingungen des Jahrgangs und seines Terroirs geboren wird. Um das zu erreichen, habe ich beschlossen, auf eine einfache Art und Weise zu arbeiten, gemäß „In meinen Weinen suche ich den authentischen Ausdruck meines Landes, seiner Geschichte, seiner Seele.“ Chiara Condello den Ideen des ökologischen Weinbaus und einer handwerklichen Kellerarbeit. Ich verfolge einen klaren Weg: organisches Arbeiten im Weinberg, Aufmerksamkeit und Respekt für die Pflanzen und den Boden, Handarbeit, organische Düngung, mechanische Unkrautbekämpfung und, falls nötig, eine nur minimale Verwendung von Schwefel und Kupfer für die Schädlingsbekämpfung. Bevor man ein guter Weinmacher wird, ist es wichtig, dass die Weinberge gesund und in einem guten Gleichgewicht sind. Deshalb beobachte ich jeden Tag die Entwicklung in den Weinbergen mit dem Ziel, gesunde und perfekt gereifte Trauben in den Keller zu bringen, die keinerlei kellertechnischer Korrekturen mehr bedürfen. Die Ernte erfolgt sorgfältig von Hand und die Arbeiten im Keller erfolgen durch das Prinzip des Respekts vor den Trauben, der Sangiovese bestimmt den Zeitplan. Die Gärbottiche werden mit Hilfe der Schwerkraft befüllt, und ich lehne alles ab, was Standardisierung bringen könnte, meine Idee der Vinifizierung bewahrt alle Quellen der Vielfalt: kellereigene Hefen für die Gärung, nur sehr geringe Temperaturkontrolle und lange Mazerationszeiten. Die Reifung findet in slowenischen Eichenfässern statt, bevor diese auf der Flasche vollendet wird, die Füllung findet ohne Filtration statt.“ So präsentieren sich ihre Weine duftig, floral und aromatisch transparent. Chiara greift damit ganz klar auf, was ihr beim Weinmachen am Herzen liegt. Für sie ist ein Teil ihrer persönlichen Heimat das Burgund, wo sie Freunden immer wieder über die Schulter schaut und mit Hand anlegt. Dieses burgundische Wissen, die Verwurzelung in Predappio und die Liebe zum Sangiovese schmeckt man in den Weinen von Chiara. Sie sind berührend und voller Energie. Sie sind elegant, feminin und zugleich voller Kraft und Selbstbewusstsein. Nach den Weinen von Veronica Ortega aus dem Bierzo ist dies unsere zweite wunderbare Neuentdeckung mit Frauenpower, viel Können und noch mehr Gefühl für das richtige Weinmachen. 5

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